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Kappessonntagszug in Neuss: Die Zwölf-Stunden-Schicht für Zugleiter Ralf Dienel

Kappessonntagszug in Neuss : Die Zwölf-Stunden-Schicht für Zugleiter Ralf Dienel

Um 12.21 Uhr wechselt Ralf Dienel zum zweiten Mal das Hemd. Zu dem Zeitpunkt ist der Zugleiter des Neusser Karnevalsausschusses schon vier Stunden auf den Beinen und völlig verschwitzt. "Dieser Tag ist purer Stress für Ralf, aber ohne ihn würde nichts gehen", sagt Hoppeditz Jürgen Schmitz als beobachter anerkennend.

Für Dienel beginnt der Kappessonntag um 8 Uhr morgens. Nach dem Weckerklingeln geht es noch kurz unter die Dusche. Kaffee und Würstchen sind die Stärkung für einen anstrengenden Tag, dann geht es zur Wagenbauhalle in den Neusser Norden. Hier stehen die 29 Mottowagen, die beim Kappessonntagszug auf die Strecke gehen. So richtig fit ist Dienel nicht. Freitag und Samstag lag er - wie das Prinzenpaar - mit einer Grippe flach. Aber das ist nun vergessen.

Schon bei seiner Ankunft erwartet Dienel das erste Problem: Der Traktorfahrer des Prinzenwagens hat sich am Samstagabend den Fuß gebrochen, wurde noch in der Nacht operiert. Zum Glück gibt es einen Reservetraktor samt Fahrer, der sofort einspringen kann. Dienel organisiert einen neuen Reservetraktor, um weiterhin auf alles vorbereitet zu sein. Währenddessen rangiert das Hallenteam mit zwei Traktoren die Wagen aus der Halle. Anhand einer vorbereiteten Liste werden die Mottowagen schon an der Wagenbauhalle in die festgelegte Reihenfolge gebracht.

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Kurz vor 12 Uhr gibt die Polizei das Okay für die Abfahrt. Der Tross macht sich auf seinen Weg Richtung Landestheater. Dort sorgt Dienel wiederum dafür, dass alle aufrücken. Permanent hält er auch Kontakt zu seinen zehn Abschnittsleitern und zur Einsatzleitung der Polizei und gibt zum Beispiel ein Problem auf der Breite Straße an die Ordnungshüter weiter. Insgesamt koordiniert Dienel die Arbeit von 600 ehrenamtlichen Helfern und 120 professionellen Sicherheitsleuten. Ein enormer Stress. Dafür darf er mit seinem Zugleiterwagen als erster auf die Strecke gehen. "So richtig genießen kann ich das aber nicht, weil ich immer alles im Blick behalten muss", sagt er. Erst als um 18 Uhr die Wagen wieder Richtung Halle rollen, kann Dienel erleichtert durchatmen. "Ein tolles Gefühl, wenn alles glatt gelaufen ist", sagt er. Trotzdem geht er zu keiner Party mehr, sondern um 20 Uhr in eine Kneipe - auf ein Belohnungsbier.

(JaHu)