Neuss : Die Wald-Kinder

Bennet, Marla und die anderen "Frischlinge" vom Waldkindergarten Rosellerheide müssen sich morgens grade ganz besonders dick anziehen. Schließlich gehen die Kinder täglich im Mühlenbusch auf Entdeckungstour. Ein Besuch.

Bennet hat eine Strategie, mit der Kälte im Moment zurecht zu kommen. "Ich habe eine Mütze, einen Schal und einen warmen Pulli", sagt der Dreijährige, "dann ziehe ich noch meine Schuhe an und gehe zum Buddeln in den Wald". Bennet geht in den Waldkindergarten Rosellerheide und ist mit den anderen "Frischlingen" bei jedem Wetter im Mühlenbusch unterwegs. Eine Waldkindergarten-Weisheit lautet: Auch bei klirrender Kälte kann ein Waldspaziergang richtig viel Spaß bringen. Noch aber sitzt Bennet im warmen Bauwagen. "Bei strengem Frost wie in der vergangenen Tagen kürzen wir die Zeit im Wald ein wenig ab und frühstücken drinnen", erzählt Olaf Wilkosch, der seit Dezember als Erzieher im Waldkindergarten arbeitet. Dem 35-Jährigen macht die Kälte nicht viel aus: "Als Hobby-Angler bin ich daran gewöhnt."

Im Bauwagen steht an diesem Morgen Englisch-Unterricht für die Vorschulkinder auf dem Programm. "Good bye to you..." singen sie gemeinsam mit Englischlehrerin Linda Klien — dann ist die die Stunde vorbei. Nun wird es langsam Zeit, sich dick einzupacken, die Rucksäcke aufzusetzen und mit dem Bollerwagen in den Mühlenbusch zu ziehen. Draußen steht schon ein Kanister mit angenehm warmem Wasser zum Mitnehmen bereit, "denn auch Waldkinder waschen sich vor dem Essen die Hände", betont die Leiterin Jola Figas. Kalte Füße wird sie heute nicht bekommen, obwohl das Thermometer noch minus sieben Grad anzeigt und leichter Schnee fällt: "Ich habe elektrische Wärmesohlen in den Schuhen", berichtet die 33-jährige Erzieherin lachend. Ansonsten setzt Jola Figas — wie alle anderen — auf den bewährten "Zwiebel-Look".

Bennet, Luis (4) und Marlene (5) haben es sich inzwischen im Außengelände auf einer Bank am Feuerkorb bequem gemacht und warten darauf, dass es losgeht. Marla (6) freut sich schon auf den Wald: "Da klettere ich dann über umgefallene Baumstämme." Während Johannes (6) gerne noch ein bisschen Schnee hätte, könnte es für Marla bald Frühling werden: "Dann fahre ich mit dem Rad."

Doch noch ist es nicht soweit. Minus 13 Grad habe das Thermometer am kältesten Morgen dieses Winters im Mühlenbusch angezeigt. Bei solchen Temperaturen lassen einige Eltern ihre Kinder auch zu Hause: "Ich kann es verstehen, wenn gerade die Kleineren sich da mal eine Auszeit gönnen", sagt die Leiterin, die bewusst mehrere Ausflüge mit den Kindern in die kalte Zeit gelegt hat: "Wir waren beim Flughafen und in der Stadtbibliothek." Dennoch sind sich alle einig: Der Wald ist auch an kalten Tagen richtig schön.

(NGZ)