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Neuss: "Die Schützen sind der Souverän"

Neuss : "Die Schützen sind der Souverän"

Satzungsänderung und mehr Einfluss für die Korpsführer. Präsident Nickel erklärt, welche Lehren er aus der emotionalen Komitee-Wahl gezogen hat. Außerordentliche Schützenversammlung im Frühsommer.

Herr Nickel, im November mussten Sie die schwerste Jahreshauptversammlung durchstehen, seit Sie Präsident des Bürger-Schützen-Vereins sind. Wie beurteilen Sie im Rückblick heute die November-Ereignisse?

Thomas Nickel Die Jahreshauptversammlung ist das wichtigste Organ unseres Vereins. Die Schützen sind der Souverän. Über die Teilnahme vieler Schützen habe ich mich gefreut. Ich kann verstehen und nachvollziehen, wenn Schützen enttäuscht den Heimweg angetreten sind. Das tut mir leid.

Im Klartext: Sie haben verstanden?

Nickel Ja.

Welche Lehren haben Sie denn nun aus der disharmonischen Jahreshauptversammlung gezogen?

Nickel Mehr Transparenz und klarere Spielregeln. Da nehmen wir Anregungen aus der Jahreshauptversammlung auf. Das Komitee setzt unter der Leitung von Vizepräsident Peter Söhngen eine Satzungskomission ein, in der auch die Korpsführung und der einfache Marschierer vertreten sein werden.

Welche Anregungen werden Sie aufnehmen? Die Schützen fordern, dass eine geheime Wahl erleichtert wird.

Nickel Die geheime Wahl wird in der Satzung neu geregelt. Mit einem kleinen Quorum. Auch streben wir an, dass Bewerber für das Komitee zu einem Stichtag, der einige Wochen vor der Jahreshauptversammlung liegt, benannt werden müssen. Das gilt auch für Vorschläge aus dem Komitee. Die Frist zwischen Stichtag und Versammlung kann dann genutzt werden, um die Kandidaten kennenzulernen.

Soll die neu gefasste Satzung schon zur nächsten Jahreshauptversammlung im November 2012 greifen?

Nickel Das ist unser Wunsch und Ziel. Wir haben uns einen so engen Terminplan gegeben, so dass die Satzungsänderung auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung noch vor den Sommerferien diskutiert und verabschiedet werden kann.

Eine Position im Komitee ist unbesetzt. Das Komitee zögert, die freie Stelle zu besetzen. Warum?

Nickel Ich glaube, dass das Komitee mit der aktuellen Mannschaft alle anfallenden Aufgaben sehr gut erfüllt. Wir müssen diese freie Stelle also nicht zwingend besetzen. Aber wir haben natürlich nicht überhört, dass viele Schützen wünschen, dass diese Vakanz beendet wird. Das wollen wir auf der Jahreshauptversammlung im November tun.

Die Personalentscheidungen werden bisher von einer Kommission vorbereitet, der fünf Komitee-Mitglieder angehören. Macht diese Nabelschau wirklich Sinn? Müssen nicht externe Meinungsbildner mitwirken?

Nickel Auch da haben wir eine Neuerung vorgenommen. Die Personalkommission besteht künftig aus vier Mitgliedern. Zwei entsendet das Komitee. Martin Flecken und ich als Präsident wurden schon benannt. Hinzu kommen zwei Vertreter der Korpsführer. Da fiel die Wahl auf Oberst Heiner Sandmann und Schützenlust-Major Herbert Geyr.

Sie haben eingangs gesagt, die Jahreshauptversammlung der Schützen sei der Souverän. Gleichzeitig haben Sie bis zuletzt immer betont, dass Sie das Komitee wie eine Zuggemeinschaft sehen, die maßgeblichen Einfluss nimmt, wer ins Komitee gewählt werden soll und wer nicht. Können Sie diesen Widerspruch auflösen?

Nickel 800 000 Euro Umsatz belegen, dass das Komitee ein mittelständisches Unternehmen führt. Dafür benötigen wir kompetentes Führungspersonal mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten und Erfahrungen. In diesem Sinne bereitet das Komitee die Beschlüsse vor. Darin sehen wir auch unsere Aufgabe. Ich glaube, da wurden unsere Anmerkungen zum Komitee als Zug auch etwas missverstanden.

Mussten die Anmerkungen nicht missverstanden werden, wenn Sie so oft betonten, wie wichtig ein gutes Miteinander im Komitee ist?

Nickel Das ist auch wichtig — und da schließe ich unsere Damen ein —, weil wir ehrenamtlich tätig sind und weil für die Mitglieder des Komitees Schützenfest auch Freude bringen soll. Das Komitee hat die Aufgabe, geeignete Bewerber vorzuschlagen. Aber die Entscheidung liegt einzig und allein bei den Schützen und der Jahreshauptversammlung.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie nun in die Gespräche und Entscheidungen?

Nickel Wir haben gut zugehört und glauben zu wissen, was zu tun ist. Die erforderlichen Veränderungen sind auf dem Weg, auf dem wir den Dialog mit unseren Schützen suchen und führen werden. Ich wünsche mir, dass zur außerordentlichen Mitgliederversammlung im Frühsommer und zur Jahreshauptversammlung im November wieder so viele Schützen kommen wie zuletzt im November.

Ludger Baten führte das Interview

(NGZ/rl)