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Neuss: Die Rückkehr der Heiligen

Neuss : Die Rückkehr der Heiligen

Sechs große Heiligenfiguren zieren die St. Antonius Kapelle in Schlicherum. Zwei Figuren wurden in den vergangenen Monaten aufwändig restauriert und zeigten sich gestern am Patronatstag in alter Schönheit.

Die Mitglieder des Bömmelclubs hatten sich keine Sorgen darüber gemacht, wo denn seit mehr als einem halben Jahr die beiden Heiligenfiguren St. Antonius und St. Petrus abgeblieben waren. Schließlich ist St. Antonius, der Patron ihres kleinen Kirchleins, auch der willkommene Heilige für alles, was verloren geht. Doch der Zahn der Zeit hatte so heftig an den betagten Figuren genagt, dass sie restauriert werden mussten. Seit gestern haben sie nun ihre alten Plätze in der Kapelle wieder eingenommen.

Und so kamen sie denn gestern alle — die Schlicherumer und die Pilger aus Norf und Rosellen —, um mit einem feierlichen Gottesdienst mit Pfarrer Wolfgang Vossen die zur Restauration ausgelagerten Heiligenfiguren des Heiligen Antonius und des Heiligen Petrus wieder in die Gemeinde aufzunehmen.

Zum 25. Clubjubiläum im vergangenen Jahr hatte der Bömmelclub Schlicherum mit Einverständnis des Kirchenvorstandes St. Peter Rosellen ein lang geplantes Großprojekt in Angriff genommen — die Restaurierung der Heiligenfiguren in der Schlicherumer St. Antonius Kapelle. Seit Jahren schon wurde dafür auf verschiedenen Dorffesten und kirchlichen Veranstaltungen eifrig gesammelt und gespendet. Aber erst, nachdem der Bömmelclub die Zusage einer großzügigen finanziellen Unterstützung durch die Jubiläumsstiftung der Sparkasse erhalten hatte, konnten die Arbeiten begonnen werden.

Neun Monate war die kostbare Tonfigur des St. Antonius, die Mitte des 19. Jahrhunderts hergestellt worden ist, und die St. Petrus Holzfigur aus dem 18. Jahrhundert im Kölner Atelier der Restauratorin Sabine Hermes "in Kur". Dort wurden beide in Zusammenarbeit mit Experten des Landschaftsverbandes Rheinland und des Erzbistums Köln auf ihren Zustand hin untersucht und restauriert. Notwendig war vor allem eine fachliche Reinigung, die Festigung der lockeren Farbpartien und Blattgoldeinlagen sowie ein Kitten und Retuschieren der farblichen Fehlstellen geworden.

Pünktlich zu seinem Namenstag haben nun der restaurierte Namenspatron St. Antonius und gegenüber der Heilige Petrus ihren angestammten Platz auf einem Schmuckpodest im kleinen Kirchenraum eingenommen. Sie bilden den Rahmen für eine weiteres Kunstwerk: die große Mutter Gottes mit dem Jesuskind aus Holz. Doch die Aktion ist noch nicht beendet: Vier der insgesamt sechs Heiligenfiguren in der St. Antonius-Kapelle stammen aus der Barockzeit und sind aus Ton gebrannt. Da viele dieser Tonfiguren in den Wirren der letzten Jahrhunderte zerbrachen, sind solche Altarstatuen im Rheinland sehr selten. Eine große Aufgabe liegt also noch vor den Restauratoren. "Hoffentlich wird das nicht zu teuer", sagt Herbert Wenning, der Vorsitzende des Bömmelclubs, "denn wir müssen mit dem Budget von 30 000 Euro auskommen." Wie sich beim anschließenden traditionellen Patronats-Treff aller Gäste im Landgasthof "Zum Hugo" zeigte, ist man auch dazu guten Mutes.

(NGZ/rl)