Die Reihe der Zeughauskonzerte in Neuss startet mit einem Schubert-Klavierabend

Saisonauftakt in Neuss : Schubert-Sternstunde zur Eröffnung der Zeughauskonzerte

Im Zeughaus startete die Konzertreihe mit einem Gastspiel des Pianisten Alexander Loquiche. Der trug zwei Klaviersonaten aus Schuberts Spätwerk vor.

„Die Tonkunst begrub hier einen reichen Besitz, aber noch viel schönere Hoffnungen“ hat der österreichische Dichter Franz Grillparzer auf den Grabstein von Franz Schubert geschrieben. Der in Wien geborene Komponist war dort 1828 im Alter von nur 31 Jahren gestorben. Bereits ein Jahr zuvor hatte Grillparzer die Trauerrede zur Beerdigung von Beethoven verfasst. Zwei Monate vor seinem Tod hat Schubert drei Klaviersonaten geschrieben, die als geschlossene Gruppe, quasi als „Trilogie“ betrachtet werden können.

Zur Saisoneröffnung der Zeughauskonzerte, die einen kleinen Zuwachs im Abonnentenbereich verzeichnen können, spielte der 1960 in Trier geborene und in Florenz lebende Pianist Alexander Lonquich die beiden großen letzten Klaviersonaten. Er ist vermutlich gerne in Neuss, mehrfach spielte er bei Zeughauskonzerten oder auf der Museumsinsel Hombroich. Zuletzt leitete er die Deutsche Kammerakademie Neuss beim Weihnachtskonzert 2018 und spielte Mozarts Klavierkonzert „Jeunehomme“.

Nun wählte er gewissermaßen zum Einspielen Schuberts „Zwölf deutsche Tänze“, dann aber die „Klaviersonate A-Dur“, die klangschönste und prächtigste des Vermächtnisses. Schon der Beginn mit sechs Takten fast barocker Akkorde lässt aufhorchen. Das Herzstück ist ein wunderbares „Andante“ mit einem heftigen Mittelteil. Dass das Fortepedal dabei „donnerte“, darf bei einem so erlesenen Flügel eigentlich nicht sein. Generalpausen, die das herausragende Werk gelegentlich zusammenhanglos erscheinen lassen, gestaltet der Pianist zu ungeheuren Spannungsmomenten. Schuberts Kontraste, die ohnehin extrem sind, steigert er aufs höchste und zwingt das Publikum, in seine voluminöse Klangwelt hineinzuhören. „Dieser Pianist ist ein Geheimtipp“, murmelte hernach eine Zuhörerin. „Das ist er schon lange“, sagte der neben ihr sitzende Münsterkantor Joachim Neugart.

Großartig auch die Interpretation der letzten „B-Dur-Sonate“ mit ihrem lyrischen Beginn, den der „außerordentlichste Triller der Musikgeschichte“ (sagt der ungarische Pianist András Schiff) im tiefen Bass unterbricht. Der Triller, normal dekorativ, wird zum unheimlichen Schicksalsboten. Gleichwohl konzentriert sich Alexander Lonquich mit gleichmäßig fortschreitendem Tempo kongenial auf hohe Klangkultur und Leuchtkraft des Tones. „Die beiden letzten Sätze sind wie die Halluzination eines neuen Lebens“, sagt nochmals András Schiff. Aber der Schicksalstriller war bei Schubert schon erklungen.

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