Die Q-Brothers aus Chicago setzen in Neuss den Schlusspunkt im Globe

Shakespeare-Festival in Neuss : Shakespeare auf der Highschool

Mit einem hinreißenden Abend ging das Shakespeare-Festival zu Ende: Die „Q Brothers“ aus Chicago boten eine HipHop-Version von „Die zwei Herren aus Verona“ und versetzten das Stück in eine US-Highschool.

Für Shakespeare-Puristen war das letzte Gastspiel im Neusser Globe wohl nicht gedacht. Denn was die Q-Brothers aus Chicago in anderthalb Stunden auf die Bühne brachten, hatte mit der Originalhandlung von „The Two Gentlemen of Verona“ nur wenig zu tun. Andererseits: wie sollte man mit einem Stück umgehen, das im Gesamtwerk des Autors einen traurigen Rekord hält: Es ist die am wenigsten aufgeführte Komödie Shakespeares, gehört zu seinem Frühwerk, und es fehlt hier noch an routinierter Beherrschung der dramaturgischen und sprachlichen Mittel.

Dies gesagt, durfte man sich einem hinreißenden Abend der beiden Darsteller GQ und JQ (richtige Namen werden nicht genannt) hingeben. Zusammen mit ihrem DJ Jackson Doran haben sie die Originalhandlung ins amerikanische Highschool-Milieu verlegt. Der neue Titel heißt schlicht „Q Gents“. Und man befindet sich an der Verona College Prep High School. Dort sind Proteus und Valentine, die männlichen Protagonisten, im Football-Team. Proteus hat aber keine Lust mehr auf Football, seit er sich in Julia verliebt hat, ein Mädchen, dem der Schulsport völlig wurscht ist. Ganz anders gepolt ist hingegen Sylvia, die Kapitänin der Cheerleader.

Aus dieser Konstellation machen die Amerikaner eine Folge rasend schnell wechselnder HipHop-Theater-Szenen. Ihre Motive und ihre Musik haben sie den High-School-Filmen der achtziger Jahre entlehnt. „How are you feelin‘ tonight?“ fragt der DJ von seiner Empore ins Publikum. Natürlich fühlt man sich gut, wenn der Rhythmus einen mitreißt und wenn die anfangs etwas schwer zu verstehenden Rap-Verse immer klarer und witziger werden. In derart unglaublichem Tempo gesprochen, kann die Textmenge mit der des Originals locker mithalten.

Als Grundausstattung zeigen die Beiden sich mit Football-Shirts. Dazu aber kommen von zwei Garderobenständern auf der Bühne ständig wechselnde Accessoires. Das sind schnell überziehbare Frontal-Kleidchen und Perücken mit und ohne Schleifchen. Ein etwas alberner, bunter BH wird als Liebespfand hin und her getauscht. Es gibt aber auch die deutsche Multi-Taschen-Rentnerjacke und den Walter-Matthau-Knautsch-Hut. Die Rollen und die Geschlechter ändern sich im Sekundentakt, gefragt ist der schnelle Sprachgag: „My name is Raoul, acting is cool“. Ein paar Rap-Verse hat man speziell für das Gastspiel in Deutschland parat. Da geht es um „Fett, Fleisch und Kartoffelsalat“. Musikalisch ergänzt wird der DJ-Mix durch eine imitierte Querflöte mit Melodien von Jethro Tull.

Schließlich kommt das Finale, natürlich als Football-Endspiel. In der Sieger-Mannschaft spielt „Skater Boy“ mit, und der kickt den längsten Ball aller Zeiten übers Feld. Viele Zuschauer verstanden die Anspielung auf den Song „Sk8er boi“, der die kanadische Sängerin Avril Lavigne im Jahr 2002 weltberühmt machte: „He was a skater boy, she said see you later boy.“ Immer wieder brachten derartige Einlagen begeisterten Zwischenapplaus.

Für ihren Umgang mit William Shakespeare haben die Q-Brothers aus den USA den Begriff „add-RAP-tation“ erfunden. Vor sechs Jahren waren sie mit ihrem Remix „Othello funk it up about nothin‘“ bereits einmal zu Gast in Neuss. In diesem Jahr reisten sie aus Serbien an, wo sie ihre fantastischen Inszenierung der Komödie „Q Gents“ in Belgrad beim „Šekspir-Festival“ zeigten.

Mehr von RP ONLINE