1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Die Profis aus der Notaufnahme

Neuss : Die Profis aus der Notaufnahme

Für die Ärzte und das Pflegepersonal im "Emergency Room" des Lukaskrankenhauses gibt es kaum Routine. Doch gerade das reizt die meisten Mitarbeiter dort. Das Team um den Leiter Dr. Klaus Reinartz muss sich oft innerhalb von Sekunden umstellen können – auch an diesem Tag.

Es sind spezielle Typen, die in der Notaufnahme des Lukaskrankenhauses arbeiten. Niemand von ihnen weiß, was ihr Arbeitstag bringen wird. Was sie wissen: Minuten, gar Sekunden können über Leben oder Tod eines Patienten entscheiden. Einen normalen Tag gibt es nicht, und doch scheint heute ein solcher zu sein. Kein Glatteis, das für Stürze und Knochenbrüche sorgt. Keine Silvesternacht, in der ständig Verbrennungsopfer eingeliefert werden. Aber Pflegeschwester Sarah Piechowiak ist vorbereitet – gleich soll ein Notfall ankommen. Wenn der Rettungswagen in der Wagenhalle des "Lukas" ankommt, steht die 26-Jährige zur Stelle.

"Ich brauche die Action in meinem Job", sagt Schwester Sarah, noch mit ihren Händen in den Hosentaschen. Die Frau, die per Rettungswagen angekündigt ist, sei 53 Jahre alt und leide unter starker Luftnot, hieß es über Funk. Ärzte mehrerer Fachrichtungen versammeln sich in dem kühlen "Schockraum", der mit all den Monitoren und Schläuchen auf dem neuesten Stand der Intensivmedizin ist – samt Beatmungs-, Röntgen- und Ultraschallgeräten. Das Team in weißen Kitteln lacht. Alle wünschen sich einen Guten Morgen. Nicht selten diskutieren sie über eine Folge der Krankenhausserie "Emergency Room". Auch der Leitende Arzt der Notaufnahme im "Lukas" ist da. Dr. Klaus Reinartz ist hier Chef, seit der Einrichtung der Zentralambulanz im Jahr 2005. "Es ist die Abwechslung, nicht das Adrenalin, was mich reizt", sagt er. Gedanklich bereitet er sich auf die Patientin vor, die der Notarzt angekündigt hat.

Ein Stück weiter, den hellen mit bunten Kunstwerken behangenen Krankenhausflur entlang, untersucht Oberarzt Dr. Peter Zielonka einen Mann. Der klagt über Schmerzen in der Brust. Drei Bypässe hat er schon am Herzen. "Ich muss Sie stationär aufnehmen", klärt der Internist und Kardiologe dem älteren Mann mit lauter Stimme auf und wispert zu seiner Nachwuchskollegin, die als eine von 29 Medizinstudenten ihr "Praktisches Jahr" im Lukaskrankenhaus verbringt: "Ein klassischer Patient."

Die Anspannung im "Schockraum" steigt. Sanitäter schieben eilig die blasse Frau auf der Trage herein. Sie trägt eine Atemmaske. Sofort schließen die Ärzte und Schwester Sarah sie an die Geräte an. Der Notarzt informiert in knappen Sätzen Dr. Reinartz. Plötzlich erleidet die Frau einen Herzstillstand, verliert das Bewusstsein. Unter Reinartz' Kommando stürmen Spezialisten in den Raum, während sich die Ärzte mit der Herzmassage bei der Patientin abwechseln. Innerhalb weniger Minuten versuchen 15 Mitarbeiter, die Frau zu stabilisieren. Nicht hektisch, aber mit schnellen, präzisen Handgriffen. Der Notarzt sitzt an einem Tisch und füllt seinen Einsatzbericht aus. Später wird er sich erkundigen, was aus der Frau geworden ist. "Wir haben sie noch auf der Intensivstation länger als eine halbe Stunde versucht zu reanimieren. Sie ist vermutlich an einer Lungenembolie gestorben", berichtet Dr. Reinartz.

Schwester Sarah hat gleich Feierabend. "Ein Todesfall ist immer traurig", sagt sie. "Aber wir wissen, dass die Patientin bei uns die bestmögliche Behandlung bekommen hat." Für Sarah Piechowiak war das kein Normalfall heute – aber einen normalen Tag gibt es in der Notaufnahme des Lukaskrankenhauses ja ohnehin nicht.

(NGZ)