1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Die Pläne der Neuen fürs TaS

Neuss : Die Pläne der Neuen fürs TaS

Weniger Premieren, ein eigenes Kabarettensemble – der designierte künstlerische Leiter des Theaters am Schlachthof, Markus Andrae, hat ein klares Konzept. Britta Franken als Geschäftsführerin wacht über die Finanzen.

Weniger Premieren, ein eigenes Kabarettensemble — der designierte künstlerische Leiter des Theaters am Schlachthof, Markus Andrae, hat ein klares Konzept. Britta Franken als Geschäftsführerin wacht über die Finanzen.

Mit seinen Inszenierungen "Kleine Eheverbrechen", "Quirinus-Code" (beide 2008), "Effi Briest" (2009) und "Das Mona-Lisa-Protokoll" (2010) gehört der Theatermacher, -autor, und Regisseur Markus Andrae zu jenen, die das Theater am Schlachthof (TaS) von außen und innen gut kennengelernt haben. Aber deswegen es auch gleich künstlerisch leiten?

Nein, wenn TaS-Geschäftsführer Reinhard Mlotek nicht so plötzlich verstorben wäre, säße Markus Andrae wohl mehr in seinem jüngst gekauften Ferienhaus in Mecklenburg-Vorpommern und schriebe an Theaterstücken. Denn das hatte sich der 47-Jährige eigentlich nach jahrelanger fester und freier Arbeit an Theatern im Ruhrgebiet vorgenommen.

Aber schon beim ersten Anruf im TaS, als er mit allen im Haus seine Trauer teilen wollte, kam die Frage auf ihn zu: Könnte er sich vorstellen, das Haus künstlerisch zu leiten? "Theoretisch schon", habe er damals geantwortet, erzählt er heute, wo er im TaS die Dinge schon ordnet, und praktisch wurde er dann von der Mitgliederversammlung des TaS-Trägervereins "Eigen-Art" für die Position nominiert.

An seiner Seite steht Britta Franken, sie wird Geschäftsführerin, und Andrae künftig sagen, was die Finanzen des TaS für seine Pläne hergeben. "Und das finde ich wirklich gut", sagt Andrae mit Nachdruck. Denn für ihn ist es keine Frage, dass das TaS genauso professionell wie ein Stadttheater geführt werden muss. Er selbst hat schließlich reichlich Erfahrung darin, war er doch Mitglied im Leitungsteam des Theaters Freudenhaus in Essen und Künstlerischer Leiter des Theaters im Depot in Dortmund.

Aus diesem Schatz schöpft er auch die Ideen für die künftige Richtung der freien Bühne. "Ich mache selber Theater", sagt er, "und gehe deswegen auch ganz anders an die Planung heran." Er sei ein "Ensemble-Mensch", gehe bei der Stückauswahl von den Schauspielern aus, will an dem von Mlotek künstlerischen Spielniveau "keinerlei Abstriche" machen, aber Schauspieler wieder stärker ans Haus binden: "Die meisten Zuschauer kommen doch ins Theater, weil sie diesen oder jenen Schauspieler sehen wollen", sagt er.

Am Musiktheater wird er festhalten ("dafür habe ich eine große Schwäche"), aber die Produktionen werden nicht mehr so üppig sein, um im Bereich des wirtschaftlich Sinnvollen zu bleiben. "Und zwischen Chansonabenden und großen Revuen gibt es noch so viel anderes — das möchte ich zeigen." Ums Personal dafür macht er sich keine Sorgen: "Alle, die am TaS arbeiten, haben ein sehr großes musikalisches Talent."

Weniger Premieren, um die von Moltek extrem strapazierten Ressourcen des Hauses künftig nicht mehr zu überfordern — ein bis zwei wird Andrae selbst inszenieren —; ein eigenes Kabarettensemble, um dem Genre auch ein Profil mit Gesichtern zu geben; eine Rückkoppelung mit der Neusser Kulturszene, aber Kindertheater und soziokulturelle Projekte wie bisher — all das sind Dinge, die Andrae ab der Spielzeit 2012/13 verwirklichen will. Bis dahin macht das TaS weiter wie noch von Mlotek geplant, muss allerdings wegen einiger Unklarheiten auch damit leben, dass ab März schon mal eine Lücke im Spielplan auftaucht. Denn zunächst müssen Andrae und Franken die Strukturen des Theaters neu ordnen.

(NGZ)