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Die Pianistin Ani Ter-Martirosyan in der "Lukas"-Kapelle Neuss

Konzert in Neuss : Eine Fülle schöner Musik für das Klavier

In der Kapelle des Lukaskrankenhauses war die armenische Pianistin Ani Ter-Martirosyan zu Gast.

Die armenische Pianistin Ani Ter-Martirosyan (31) ist dem Neusser Lukaskrankenhaus eng verbunden. Schon in jungen Jahren spielte sie in der Kapelle des Rheinland-Klinikums, damals als begabte Schülerin des Kölner Klavierprofessors Pavel Gililov. Anschließend studierte sie an der Musikhochschule in Düsseldorf bei Barbara Szczepanska und schloss dort 2016 mit Auszeichnung ab.

Pianistin Ani Ter-Martirosyan war als Solistin da. Foto: Arman Karakanyan

Als sie im Dezember vergangenen Jahres den litauischen Bassbariton Tomas Kildisius im Lukas begleitete, schrieb unsere Zeitung: „Sie glänzte als mitreißende Pianistin.“ Viele Zuhörer äußerten den Wunsch, sie einmal in einem Solo-Recital zu erleben. Knapp drei Monate später wurde dieses Ansinnen erfüllt.

Ani Ter-Martirosyan, die mit ihrem Klavierspiel in der armensichen Stadt Eriwan bereits erfolgreich war, als ihre Altersgenossinnen noch mit Puppen spielten, begann ihr Konzert mit vier Stücken aus den „Sieben Fantasien“ von Johannes Brahms. Der Hamburger Komponist, der ab 1862 in Wien lebte, verbrachte beinahe 20 Jahre lang bis zu seinem Tod 1897 den Sommer im angesagten Kurort Bad Ischl.

Dort genoss er tagtäglich einen Kaffee am Mittag im Cafè Walter, abends traf er sich mit Freunden, dabei auch Johann Strauß (Sohn), zum Skatspiel. In den Stunden dazwischen komponierte er rastlos, so auch 1892 mit den „Fantasien“ seinen letzten Klavierzyklus. Es ist der innigste in seinem ganzen Klavieroeuvre und wird von vielen Liebhabern als eine Art „musikalisches Testament“ verstanden.

„Capriccio“ nennt er die schnellen Stücke, das erste eröffnete die Pianistin herzhaft zupackend. Dazwischen stehen langsame Intermezzo, im a-Moll-Andante spielte Ani Ter-Martirosyan ihre lyrische Seite vollkommen aus, das E-Dur-Intermezzo im dicht polyphonen Choralstil versieht sie bei sparsamem Pedalgebrauch mit leiser Melancholie, das letzte „Capriccio“ wird zu einem wild aufbrausenden Allegro.

Thomas Klein (30), ihr Freund und Manager, führte das aufmerksame Publikum in die Werke ein, sagte aber nicht, dass die Klaviersuite „Le tombeau de Couperin“ von Maurice Ravel mit seiner meisterhaften Transkription für Orchester konkurrieren muss. Entschädigen musste, dass die armenische Virtuosin die gesamte Suite spielte, nahezu makellos bis zur bestechenden „Toccata“.

Starke autobiographische Züge hat auch die letzte „Klaviersonate h-Moll“ von Frédéric Chopin. Eine Fülle schöner Musik kennzeichnet den ersten Satz, einem romantischen Scherzo folgt das träumerische, zugleich aber auch klangüppige Largo, das Rondo-Finale brachte die Pianistin zum krönenden Abschluss. Dafür gab es viele „Bravos“. Auf eine Zugabe musste die Pianistin verzichten, weil der im Anschlag extrem harte Flügel in der Kapelle des Lukas ihr Schmerzen im rechten Arm verursachte.