Neuss: Die Nummer eins im Apachen-Club

Neuss: Die Nummer eins im Apachen-Club

Vier Neusser Familien, die von der indianischen Kultur begeistert waren, gründeten vor 50 Jahren den Shawano- Apachen-Club. Heribert Schillings gehörte dazu. Noch heute ist er Häuptling und Inhaber der Mitgliedsnummer eins.

Bruder Hans wollte immer Cowboy sein, doch für Heribert Schillings gab es seit frühester Kindheit nur einen Traum: Indianer-Häuptling. Was ihm von Geburt versagt geblieben war, erarbeitete sich der heute 80-Jährige mit großer Begeisterung für indianisches Leben und die Kultur der Ureinwohner Nordamerikas. Die Identifikation mit seinem Hobby geht so weit, dass selbst guten Bekannten heute nicht immer gleich Schillings richtiger Name einfällt. Doch dafür kennen ihn alle als Tecumseh, Häuptling des Shawano- Apachen-Clubs. Den gründete er vor genau 50 Jahren mit und hat seitdem die Mitgliedsnummer eins.

Das Jubiläum des Apachen-Clubs gehört zu den größeren und kleineren Feiern, die den Kalender von Heribert Schillings füllen. Im November wurde er 80, im August feiert er Diamanthochzeit und dazwischen das "goldene" Clubbestehen. Dazu gehört am Samstag, 4. Mai, ein Country-Abend mit der belgischen Band "Road Rangers" und am Samstag, 15. Juni, ein Tag der offenen Tür auf der "Ranch" des Vereins am Himmelsberg. Und die Reihe der "runden" Anlässe wäre sicher unvollständig, bliebe dieser unerwähnt: Zum 40. Mal reist der 80-Jährige zu den Pfingsttreffen befreundeter Indianer-Clubs, diesmal nach Regensburg. Von diesen Fahrten hat er seit 1971 nur eine verpasst.

In der Wohnung im Meertal, wo sich Schillings mit seiner Frau vor einigen Jahren "etwas kleiner setzte", hat er für das Kinderzimmer eine neue Verwendung gefunden. Erinnerungsstücke von seinen Reisen hat Tecumseh dort zusammengetragen. Diese Reisen führten den — wörtlich übersetzt — "zum Sprung ansetzenden Berglöwen" unter anderem durch 25 US-Bundesstaaten, vier kanadische Provinzen sowie Mexiko. Zu seinen Mitbringseln gehört auch ein original Pfeifen-Tomahawk kanadischer Küstenindianer, denn natürlich versuchte er selbst bei Gruppenreisen in die neue Welt auch eine neue Seite der Indianer-Kultur zu entdecken.

1985 kam noch ein anderes Reiseziel hinzu: Marokko. Dort schwang sich Schillings, der 1945 als knapp 15-Jähriger von russischen Soldaten im Harz das Reiten lernte, regelmäßig in den Sattel. Diese im Winter unternommenen Ausflüge hatten immer auch eine praktische Seite: Unter allen Shawano-Apachen, die sich als Fußgruppe in den Kappessonntagszug einreihten, "war ich", so Schillings, "der einzige naturbraune Indianer." Die anderen mussten sich schminken.

Dreh- und Angelpunkt seiner Indianerwelt ist seit 1972 aber die Ranch am Himmelsberg. Dort wurde der Verein knapp zehn Jahre nach seiner Gründung sesshaft. In der warmen Jahreszeit bauen die Mitglieder des Clubs — aktuell sind es "nur" 13 aktive — dort ihre Tipis auf, leben im Geist der Indianer und Trapper zusammen, fertigen ihre Kleidung und ihre Ausrüstung selbst an, tragen Wettkämpfe aus. Heribert Schillings, Häuptling seit Gründung der Shawano-Apachen und ein Vierteljahrhundert auch Vorsitzender des Clubs, ist nach Möglichkeit immer dabei — aber nicht mehr so oft über Nacht. "In unserem Blockhouse ist für mich immer ein Bett frei", sagt er. Sein Tipi nämlich hat er vor Jahren verkauft. Denn manchmal merkt "der zum Sprung ansetzende Berglöwe" doch, dass er nicht jünger wird.

(NGZ/ac)
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