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Die Neusser Tafel verzeichnet immer mehr Kunden

Adventsserie Danke in Neuss : Die Neusser Tafel verzeichnet immer mehr Kunden

Die Zahl der Bedürftigen wächst seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Wer das besonders zu spüren bekommt, sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Neusser Tafel.

Kamen bislang durchschnittlich 500 Menschen pro Woche sind es inzwischen rund 1000. Während des ersten Lockdowns hatte sich der Vorstand entschieden, die Tafel zu schließen, um die eigenen Mitarbeiter, von denen einige zur Risikogruppe zählen, zu schützen. Jetzt – beim zweiten Lockdown – hat die Tafel geöffnet. Mit allen Schutzmaßnahmen, die möglich sind, sagt Vorstandsvorsitzende Rebecca Schuh.

Spuckwände, Desinfektionsmittel, Schutzkittel und Masken – alle notwendigen Utensilien zum Schutz vor Corona wurden angeschafft, berichtet Schuh. „Wir haben das alles aus eigener Tasche, also aus den Rücklagen unserer Spendeneinnahmen, bezahlt.“ Die Kunden werden über die Fenster versorgt. Sie stehen an drei Tagen die Woche Schlange vor der Tafel an der Düsseldorfer Straße.

„Es ist schwierig für die Mitarbeiter, die Kunden durch das Fenster zu versorgen“, berichtet Schuh. „Die Verständigung klappt gar nicht gut.“ Maske, Spuckschutz, aber vor allem der Verkehrslärm an der vielbefahrenen Straße machen fast jeden Wortwechsel unmöglich. Entsprechend genervt würden manche Kunden reagieren. Andere wiederum seien einfach nur froh und dankbar, überhaupt Lebensmittel abholen zu können.

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Ein Problem sei vor allem, dass die Kunden die Ware nicht einsehen können. „Sie können nicht erkennen, was wir im Angebot haben“, so Schuh. Deshalb bewundere sie ihre Mitarbeiter, die „gleichbleibend freundlich und geduldig“ seien. Auch wenn diese zum wiederholten Male Apfel gegen Banane oder Rosenkohl gegen Wirsing tauschen, weil natürlich auch die Kunden ihre Geschmacksvorlieben haben.

Überwältigend sei die Unterstützung durch die Neusser Bevölkerung und etliche Firmen in den vergangenen Tagen gewesen, so Schuh. „Es gab viele, die unterschiedlichste Produkte gespendet haben.“ Neben diversen Lebensmitteln habe die Tafel auch ausreichend warme Garderobe sowie Geschenkgutscheine für warme Schuhe erhalten. Seit der Corona-Pandemie sei die Tafel verstärkt auf Spenden angewiesen, betont Schuh. „Wir haben immense Kosten aufgrund der Desinfektionsmittel, Masken und Schutzkittel. Allein so ein Kittel kostet rund 30 Euro und auch die Masken müssen wir mehrfach am Tag wechseln.“ Rund 300 Weihnachtspakete haben Schuh und die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den vergangenen Tagen gepackt. Die wurden an die Kunden verschenkt. Vakuumierte Fleisch-, Käse- und Wurstprodukte, Hygieneartikel, Öl und Kaffee seien darin, verrät Schuh.

Unter den Bedürftigen sind jetzt auch „Corona-Opfer“: Menschen, die in Kurzarbeit sind, oder als geringfügig Beschäftigte – sogenannte Mini-Jobber – ihre Arbeit ganz verloren haben. Regelmäßig kommen Sozialhilfeempfänger, Alleinerziehende und ältere Menschen mit mickrigen Renten – das betrifft insbesondere Frauen. Rebecca Schuh kennt derartige Schicksale zuhauf, hat viele Gespräche geführt.

„Armut ist weiblich“, warnt sie regelmäßig. Schuh hat vor fast 25 Jahren die Neusser Tafel gegründet. Und der Antrieb, Menschen helfen zu wollen, ist so stark geblieben wie zu Beginn: „Ich freue mich, wenn ich Menschen beschenken kann. Das wärmt mein Herz und dann geht es mir gut.“ Einen Weihnachtswunsch habe sie aber auch, gibt sie zu: „Wir könnten Desinfektionsmittel, Handschuhe und herkömmliche Masken gut gebrauchen. Und wir freuen uns immer über neue ehrenamtliche Mitarbeiter.“