Analyse: Die Neusser CDU in der strategischen Falle

Analyse : Die Neusser CDU in der strategischen Falle

Im nächsten Jahr ist Bürgermeister-Wahl. Wen wird die Neusser CDU als Nachfolger von Herbert Napp vorschlagen? Die Diskussion läuft - und kein Ende in Sicht. Nicht einmal ein Zeitplan ist zu erkennen.

Am 20. Oktober 2015 hat Bürgermeister Herbert Napp (67) seinen letzten Arbeitstag im Rathaus. Während sich abzeichnet, dass die SPD ihren Landtagsabgeordneten Reiner Breuer ins Rennen schicken wird, ist bei der CDU noch offen, wen die stärkste politische Kraft vorschlagen wird. Zwei Bewerber haben sich bisher öffentlich erklärt: Kreistagsabgeordneter Klaus Goder (Mediziner aus Gnadental) und Ratsherr Sebastian Rosen (Immobilien-Kaufmann aus der Innenstadt).

Zu den CDU-Größen, die gehandelt werden, sich aber nicht zu ihren Plänen geäußert haben, gehören Parteichef Jörg Geerlings, die Fraktionsvorsitzende Helga Koenemann und Vize-Bürgermeister Thomas Nickel. Es darf also weiter spekuliert werden, denn ein Zeitplan, wann die 1500 Neusser Christdemokraten aufgerufen sind, einen Kandidaten fürs Bürgermeister-Amt aufzustellen, liegt noch nicht vor.

Der Neusser Kreistagsabgeordnete J.-Andreas Werhahn ermunterte seine Parteifreunde nun öffentlich, ihren Bürgermeister-Kandidaten zeitnah, wenn möglich gar noch vor dem Schützenfest, zu benennen. Auf der jüngsten Mitgliederversammlung sah Ratsfrau Karin Kilb dagegen keinen Grund zur Eile. Sie warnte davor, "den "Erstbesten" zu küren. Die Diskussion ist voll entbrannt. Kein Wunder: Denn wen auch immer die CDU zu ihrem Kandidaten macht, er wird als Favorit in die Bürgermeister-Wahl gehen. Alle Neusser Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg gehörten der CDU an - und die CDU ist trotz starker Verluste auch nach der Kommunalwahl mit 39,8 Prozent noch die mit Abstand stärkste Partei im Rat.

Doch die Neusser CDU tut sich schwer mit ihrer Kandidatenkür. Sie sitzt in der strategischen Falle. Der Grund: Sie hat nach der Kommunalwahl den Partner gewechselt. Mit den Grünen bildet sie erstmals eine schwarz-grüne Koalition im Stadtrat. Mit dem ausgemusterten Partner FDP bildet sie - zumindest formell - noch eine Bürgermeister-Findungskommission. Es ist zu erwarten, dass Bündnis 90/Die Grünen aus Rücksicht auf den Koalitionspartner den SPD-Mann Breuer nicht offiziell unterstützen werden.

Vielleicht verzichten die Grünen sogar auf einen eigenen Kandidaten. Aber wie entscheiden sich die Grünen-Anhänger: Wählen sie den Kandidaten des Koalitionspartners CDU oder werden sie ihre Stimme dem Sozialdemokraten Reiner Breuer geben? Beobachter sind sich sicher, dass sich Breuer auf starke Unterstützung aus dem grünen Basislager freuen darf.

Bleibt die FDP. Schwer vorstellbar, dass die Liberalen - von der CDU in die Opposition gedrängt - in der Findungskommission nun einen gemeinsamen Kandidaten des "bürgerlichen Lagers" suchen und finden werden. Die Kommission hat ausgedient. Sie war bei ihrer Gründung 2013 die Klammer, die die in der Zerreißprobe stehende CDU/FDP-Ratskoalition zusammenhielt. Das ist gelungen. Mehr kann sie nicht leisten. Wie wollte die CDU auch dem neuen Partner an ihrer Seite, den Grünen, erklären, dass sie mit ihrem "Ex", der FDP, einen gemeinsamen Kandidaten aufstellt?

Wen auch immer die CDU ins Bürgermeister-Rennen schicken wird, er wird es mit mindestens zwei Mitbewerbern zu tun bekommen: Reiner Breuer (SPD) und Hermann-Josef Verfürth (FDP). Der Ex-Schützenkönig hat sich als liberaler Stimmenfänger profiliert. Seit ihrer Landtagswahl-Schlappe 2012 und den Kommunalwahl-Verlusten vom Mai 2014 ist er für die Neusser CDU "Angstgegner Nummer 1".

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(NGZ)
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