Neuss: Die Ministergattin hat im Familien-Kabinett das Sagen

Neuss: Die Ministergattin hat im Familien-Kabinett das Sagen

Heidi Oldenkott-Gröhe lebt, wie sie es will. Ein Porträt zum Internationalen Frauentag.

Was gibt es nicht alles für Klischees von der Politikergattin. Sie hält ihm den Rücken frei, geht stets an seiner Seite, sagt wenig, lächelt dafür viel. Heidi Oldenkott-Gröhe ist auch eine Politikergattin. Aber das ist auch schon das Einzige, was an dem Bild stimmt. Na gut, das mit dem Rücken freihalten stimmt auch ein bisschen, aber alles andere? Heidi Oldenkott-Gröhe lächelt nicht, sie lacht. Aus vollem Herzen. Sie redet nicht viel? Im Gegenteil. Und hat auch viel zu sagen. Im übertragenen wie tatsächlichen Sinne, denn die Verantwortung für das Leben im Zuhause von Gesundheitsminister Hermann Gröhe trägt die 50-Jährige, seit Sohn Bernhard 1993 geboren wurde.

"Vorher habe ich für den Lebensunterhalt bei uns gesorgt", sagt sie amüsiert. Amüsiert deswegen, weil sie das Spiel mit dem Klischeebild von der treusorgenden Ministergattin ganz offensichtlich mag. Von einer Frau, die im Hintergrund bleibt, ihre eigenen Interessen zurück- und sich dafür ganz in den Dienst der Karriere des Mannes stellt. Davon stimmt bei ihr nur das Erste. Und das auch nur, weil Heidi Oldenkott-Gröhe es so will.

In den ersten Jahren ihrer Ehe und noch ohne Kinder arbeitete sie in der Verwaltung einer Krankenversicherung in Köln, während ihr Mann als Jurist noch in den Anfängen seiner Laufbahn steckte. 1992 ist das Paar zurück nach Neuss gezogen, und als ein Jahr später das erste Kind geboren wurde, war ihr klar: "Ich nehme den Erziehungsurlaub in Anspruch und kümmere mich um unseren Sohn."

Und danach? "Ich habe es geschafft, jeweils in dem noch laufenden Erziehungsurlaub ein Kind zu bekommen", sagt sie und lacht. Vier sind es am Ende. Und es sollte eine so große Familie sein? "Ich fand vier Kinder ganz schön", sagt sie, "auch, weil es eine ausgewogene Zahl ist." Aber sicher war sie sich erst, als sie merkte, dass sie zu einem Leben mit Kind fähig war. "Das weiß man vorher ja nicht", sagt sie, "man muss da erst reinwachsen."

Derweil konnte ihr Mann die Karriere machen, die er wollte. Heidi Oldenkott-Gröhe hat ihm nie Steine in den Weg gelegt. Aber sie hat Regeln aufgestellt. Eine davon - und die war und ist für sie ganz wichtig - betrifft den Wohnort. Schon als ihr Mann CDU-Generalsekretär wurde und erst recht, als die Bundeskanzlerin ihn zum Gesundheitsminister machte, stellte sie klar: "Die Familie zieht nicht nach Berlin um." Was nicht heißt, dass die Neusser nicht auch mal in Gänze in sein kleines Berliner Appartement einfallen: "Es ist so eingerichtet, dass wir dort auch zu sechst übernachten können", sagt sie trocken.

Und es kommt auch vor, dass sie an der Seite ihres Mannes dann doch mal auf dem gesellschaftspolitischen Parkett glänzen muss. "Aber nur selten", sagt sie und ist heute noch froh darüber, dass solche Auftritte von vornherein wenig Chancen hatten.

"Ich habe jedes Kind gestillt", erzählt sie, "da ergab es sich zwangsläufig, dass mein Mann viele Termine ohne mich gemacht hat." Die für sie sehr angenehme Folge: "Alle waren es so gewohnt, haben gar nicht mehr gefragt und wundern sich auch heute nicht, wenn ich nicht dabei bin." Und die sogenannten bunten Blätter? "Natürlich werde ich immer mal wegen einer Homestory angesprochen", sagt sie lachend, "aber das will ich nicht."

Berlin ist Berlin, und Neuss ist Neuss. Dass sie die Stadt nicht verlassen will, hat auch mit dem Eingebettetsein in einen großen Freundeskreis, in ein Netzwerk, das wichtig war und ist, da sie schließlich das Familienleben mehr oder minder allein managt. "Man braucht die Unterstützung", sagt sie. Auch schon deswegen, weil sie nicht nur Mutter ist, sondern auch der Mensch Heidi, der eigene Interessen hat. Sie liest, malt (weist lachend auf die Wohnzimmerwand: "Das sind echte Heidis!"), macht Yoga und viel Sport, engagiert sich zigfach im Schulleben ihrer Kinder und im Leben anderer, etwa der "Kleinen Talente". Sie macht das, weil es sie fordert, nicht aus Zeitvertreib.

Und nie hat sie damit geliebäugelt, wieder zurück in den Beruf zu gehen? "Nein", sagt sie bestimmt, "es hat immer mal wieder Angebote gegeben, aber ich fühlte mich gegenüber meinen Kindern verantwortlich, habe abgelehnt." Wenn schon die eine Hälfte der Eltern nicht viel zu Hause sein könne, müsse eben die andere da sein: "Sonst wird es schwierig."

Für Heidi Oldenkott-Gröhe ist in ihrem Leben nichts falsch gelaufen. "Nie hatte ich das Gefühl, zu Hause nicht gefordert zu werden", sagt sie. Gleichwohl genießt sie es inzwischen auch, zwei Tage in der Woche bei der Medicorea fest zu arbeiten. Und sie weiß: "Wenn ich möchte, kann ich durchstarten." Ganz bewusst bezeichnet sie ihr derzeitiges Leben als "Abschnitt". Wenn alle Kinder aus dem Haus sind, beginnt ein neuer. Dann arbeitet sie vielleicht als Eventmanagerin, macht aus ihrem Organisationstalent und kreativen Potenzial einen Beruf. Oder ihr fällt was anderes ein: "Ich habe gelernt, dass sich im richtigen Moment irgendwo eine Tür öffnet."

(NGZ)