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Neuss: Die Linie 3 wurde heute vor 50 Jahren stillgelegt

Neuss : Die Linie 3 wurde heute vor 50 Jahren stillgelegt

Am 4. Mai 1963 stellte die Stadt den Verkehr ins Dreikönigenviertel ein. Es war der Anfang vom Ende der Neusser Straßenbahn.

Die Großmutter von Dieter Hoevels (75) wollte ihrem Sohn ein Baugrundstück finanzieren, aber nur unter einer Bedingung: Es musste für sie von Kaarst aus mit der Straßenbahn zu erreichen sein. So landeten Hoevels in den 1930er Jahren im Dreikönigenviertel, das von der Linie 3 der städtischen Verkehrsbetriebe angefahren wurde. Heute vor 50 Jahren wäre die Vorgabe nicht mehr zu erfüllen gewesen, denn am 4. Mai 1963 verkehrte die Linie 3 zum letzten Mal zwischen den Endhaltestellen Neusserfurth und Eichendorffstraße. 35 Jahre lang war sie betrieben worden.

Dieter Hoevels an der Endhaltestelle der Linie 3. Die fuhr am "Roten Haus" vorbei (u.l.) und wurde immer von einem Schaffner begleitet. Foto: woi/Stadtarchiv Neuss (2)

Das Ende der Line 3 war der Anfang vom Ende einer eigenen Neusser Straßenbahn. Am 6. Juli 1963 endete nach 38 Jahren auch der Betrieb der Linie 2, die Passagiere in 39 Minuten von Kaarst nach Grimlinghausen gebracht hatte. Die Linie 1 Neusserfurth-Grimlinghausen verkehrte noch bis zum 7. August 1971, nachdem ihre Stilllegung schon im Juli 1967 beschlossen worden war.

"An diesem Tag endete die Straßenbahngeschichte der Stadt Neuss", erinnert Stadtwerke-Sprecher Jürgen Scheer. Bilanz des Verkehrsunternehmens, so Scheer: "Seit der ersten Fahrt einer Neusser Straßenbahn am 24. Dezember 1910 wurden rund 500 Millionen Menschen befördert." Dabei legten die Bahnen 13 Mal die Entfernung von der Erde zum Mond zurück. Einen einzigen dieser Wagen kauften die Stadtwerke 1996 zurück. Den TW 17, der heute für Museumsfahrten eingesetzt wird.

Die Linie 3 war die beliebteste Straßenbahn-Verbindung, denn ihre Wagen fuhren im Zehn-Minuten-Takt über Friedrich- und Bergheimer Straße bis zur Endhaltestelle Eichendorffstraße. Sie war aber auch ein Kuriosum, wie sich Hoevels erinnert. Bevor am Endpunkt eine Wendeschleife gebaut wurde, an deren Stelle heute ein Kinderspielplatz ist, "blieb die Straßenbahn einfach mitten auf der Straße stehen", erinnert sich Hoevels. Und bevor sie wieder loszuckelte, mussten dort Triebwagen und Waggon abgekoppelt und umrangiert werden. "Dabei durften wir als Kinder manchmal mitfahren", erzählt er weiter.

Um den Fortbestand der Linien 2 und 3 wurde ab 1958 gerungen. Der Verkehrsplaner Professor Leibbrand stellte im Rat ein Konzept zur Diskussion, das vorschlug, den Bahnverkehr überall dort einzustellen, wo ein eigener Bahnkörper befahren wurde. Die Linie im Hauptstraßenzug gehörte nicht dazu.

Der Proteststurm auf die Stilllegungspläne war gewaltig. Das zeigte sich auch, als im November 1958 die Linie 3 abgebunden wurde, weil sie an der Baustelle am Roten Haus, dem Gasthaus Früh, nicht vorbeikam. Nach Kundenprotesten fuhr sie ab August 1959 wieder. Heute erinnert nur noch eine Schramme an einem Bordstein an die S 3. Dort, wo nach Hoevels Erinnerung ein Wagen aus dem Gleis gesprungen war.

(NGZ)