Neuss: Die Liebesbrücke von Neuss

Neuss : Die Liebesbrücke von Neuss

Neusser Liebespaare haben eine neue Tradition in die Stadt gebracht: Sie hängen gravierte Vorhängeschlösser an das Geländer der Erftgrabenbrücke. Mit diesem romantischen Brauch schwören sie sich ewige Treue.

"Ewig mein, ewig dein, ewig uns", so steht es auf einem roten Vorhängeschloss, das am Geländer der Brücke an der Alten Post hängt. Ein Liebespaar hat es hier angebracht, als Beweis seiner Zuneigung. Mehr als 50 Neusser Paare haben es ihnen gleichgetan und sich mit diesem Brauch Treue geschworen. Nebeneinander hängen ihre Schlösser am Brückengeländer, meist mit den Namen der Liebenden versehen. Etwa von Daniel und Kerstin, die sich Trauringe und Rosen auf ihr Schloss gravieren ließen. Oder Ginny und Nicos, die sich auf griechisch ewige Liebe schwören. Mit ihren Spitznamen "Hase und Eule" hat sich ein weiteres Pärchen an der Erftgrabenbrücke verewigt. An manchen Schlössern verblasst schon die Schrift, das Metall verrostet. Viele andere sind neu, meist goldfarben, einige aber auch in rot oder grün, als Herzform oder als klassisches Vorhängeschloss. Einzelne Liebende haben ihre Schlösser sogar mit Anhängern versehen, die den Namen ihrer Kinder tragen. So wird ihre symbolische Verbundenheit noch deutlicher.

Die Vielfalt der Neusser Schlösser ist groß – dabei ist die Tradition der Liebesschlösser in Deutschland noch recht jung: An der Hohenzollernbrücke in Köln, wo heute tausende Schlösser am Geländer hängen, gibt es den Brauch erst seit gut drei Jahren. Seit wann die Neusser die Liebesschlösser in ihrer Heimatstadt aufhängen, vermag Tiefbauamtsleiter Gerd Eckers nicht zu sagen. "Aber ich finde es gut, das es solch einen romantischen Platz nun auch bei uns gibt." So lange die Schlösser nicht stören und nicht in den Straßenraum hineinragen, dürfen sie bleiben. Eine Bestandsgarantie gebe es aber nicht: "Wenn wir an der Brücke arbeiten, etwa weil das Geländer gestrichen wird, müssen die Schlösser weichen", sagt Eckers. Dass sei derzeit aber nicht geplant, beruhigt der Amtsleiter. "Pärchen können ihre Liebesbeweise weiter ans Brückengeländer hängen." Einen Geschäftsmann der Stadt freut dies ganz besonders: Dieter Krautwald betreibt seit zwei Jahren einen Versandhandel mit gravierten Liebesschlössern, rund 2000 Stück hat er bislang verkauft. Seine Firma "Amorchetti" an der Kanalstraße ist nur wenige Meter von der Neusser Liebesbrücke entfernt. Zwar vertreibt das Unternehmen seine verzierten Vorhängeschlösser in ganz Europa, "aber es ist natürlich toll, dass es diesen Brauch nun auch bei uns gibt", findet Krautwald. Hoffentlich bleibt diese Tradition so lange, wie es auf vielen Schlössern geschrieben steht. Nämlich "Für immer".

(NGZ)
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