Neuss: Die Kultur braucht einen "Runden Tisch"

Neuss: Die Kultur braucht einen "Runden Tisch"

Die Neusser müssten für Neuss werben, die Kultureinrichtungen sich stärker vernetzen - nur zwei von zahlreichen Anregungen beim NGZ-Kulturtreff im Studio des Rheinischen Landestheaters zum Thema "Kultur und Marketing".

Die Neusser Kultureinrichtungen müssen sich nicht verstecken - so ganz leicht finden lassen sie sich bisweilen aber auch nicht. Dabei gibt es jede Menge zu entdecken. Da waren sich Podiums-Teilnehmer und Publikum beim NGZ-Kulturtreff im Studio des RLT rasch einig. Doch wie können, sollen sich Kultureinrichtungen vermarkten? Nach einer zweistündigen, lebendigen Diskussion hatte NGZ-Kulturredakteurin Helga Bittner zahlreiche Anregungen gesammelt, wie die in Neuss geleistete Kulturarbeit bekannter werden könnte.

"Spielt Kultur überhaupt eine Rolle im Stadtmarketing?", hatte sie sich eingangs an den Geschäftsführer von Neuss Marketing, Jürgen Sturm, gewandt. Der gab zu, die Verknüpfung von Kultur und Marketing erst nach näherer Betrachtung gesehen zu haben. Er machte für die "Vermarktung" von Neuss drei Säulen aus: die römische Geschichte der Stadt, das breite Angebot an Kulturveranstaltungen und die rheinische Lebensart inklusive Brauchtum. Wichtiges Werbe-Instrument sei etwa der Reiseplaner mit Ausgeh- und Veranstaltungstipps, der öffentlich ausliege.

Gut besucht: Der NGZ-Kulturtreff stieß auf großes Interesse. Foto: Woitschützke Andreas

Die Bedeutung des Verhältnisses von Kultur und Stadt machte Frank Orbons, im RLT für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, am Beispiel von Dresden deutlich: "Trotz Pegida und anderen Vorkommnissen hat das Image von Dresden laut einer Umfrage kaum gelitten - dank der Kultur", sagte er. Er bedauerte, dass oft selbst Neusser nicht wüssten, wo das Rheinische Landestheater ist, und wünschte sich, dass die Stadt den Institutionen größere Flächen für Eigenwerbung zur Verfügung stellen würde, wie es in Köln der Fall ist.

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Muss ein Museum oder eine Bühne ein Unternehmen, eine "Marke" werden? "Ja, wenn ,Marke' im Sinne von Markierung einer Identität gemeint ist", differenzierte Wilfried Korfmacher, Designer und Psychologe, "nicht aber im Sinne einer kommerziellen Firma, die Profitmaximierung anstrebt. Eine Dachmarke "Neuss" favorisierte Grafikdesignerin Susanne Coenen. "Dazu ist ein Plan nötig. Alle Beteiligten müssen sich an einen Tisch setzen, um eine Identität herauszuarbeiten und die Botschaften zu entwickeln, die vermittelt werden sollen. Zu diesem kreativen Prozess sollten alle in der Stadt verfügbaren Ressourcen herangezogen werden. Und dann muss man auch über das Budget sprechen." Jürgen Sturm möchte stärker "Dinge und Möglichkeiten, die wenig Geld kosten" verfolgen, wie eine für September geplante Schaufenster-Aktion mit dem RLT. Jede Institution betreibe ihr eigenes Marketing - "und das machen sie auch am besten, weil sie ihre Zielgruppe kennen", glaubt Sturm.

Kulturamts-Chef Harald Müller (l.) und Frau mit Musikschulleiter Holger Müller. Foto: Woitschützke Andreas

Ideen hätten er und seine Mitarbeiter, so der Neuss-Marketing-Chef, aber ob der dünnen Personaldecke könnten nicht ständig neue Formate geboten werden. Einen "Runden Tisch" der Neusser Kultureinrichtungen gebe es nicht, antwortete er auf die Frage von Helga Bittner. Die griff nach einer angeregten Diskussion mit reger Publikumsbeteiligung drei Punkte auf: Neusser müssten für Neusser Institutionen werben, es braucht eine Marke "Neuss" und eine engere Vernetzung der Kultureinrichtungen.

(NGZ)
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