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Neuss: Die Kälte verhagelt dem Handel den Umsatz

Neuss : Die Kälte verhagelt dem Handel den Umsatz

Ob in Bekleidungsgeschäften, Cafés, Eisdielen oder Gartencentern – überall wirkt sich das Warten auf Frühling auf die Einnahmen aus.

Ob in Bekleidungsgeschäften, Cafés, Eisdielen oder Gartencentern — überall wirkt sich das Warten auf Frühling auf die Einnahmen aus.

Einzelhändler, Eisverkäufer, Gartenbauer und Blumenhändler hoffen seit Wochen auf besseres Wetter. Denn das lange Warten auf den Frühling bekommen sie direkt in der Kasse zu spüren: "Nur die Wenigsten haben Lust, sich aus Daunenjacke und Pulli zu schälen, um die neue Frühjahrsmode anzuprobieren", sagt Meike Bayer, Geschäftsführerin des gleichnamigen Fachgeschäfts für Damenoberbekleidung in der Innenstadt. Dabei lockt die neue Mode mit Stimmungsaufhellern: Knallige Hosen, Blusen und Blazer in poppigem Grün und Orange sind die Trends der kommenden Saison. Mittlerweile habe sie beruflich wie privat "die Nase voll von diesen Temperaturen", sagt Bayer. Aber sie ist zuversichtlich: "Ich schätze, wir müssen noch zehn Tage warten, dann kommt der Frühling."

Darauf hofft auch Schuheinzelhändler Thomas Toll. "Bislang war der Saisonauftakt sehr mager", sagt er. Zwar gebe es immer ein paar Unentwegte, die sich ein neues Outfit kaufen, doch die meisten tragen noch ihre Winterschuhe. In seinen Läden gibt es allerdings keine dicken Schuhe mehr. "Wir haben alles weggepackt", sagt Toll. Stattdessen locken bunte Farben ins Geschäft.

Die Kälte macht auch Antonio Casanova, Inhaber des Eiscafés Rizzardini in Reuschenberg, zu schaffen. "Bislang war das Wetter ganz, ganz schlimm für uns. Da haben wir so eine schöne Terrasse, doch bei den Temperaturen mag da keiner sitzen." Statt Eis bestellt seine Kundschaft Kaffee, Crêpes, Tiramisu und heiße Waffeln. Nur mit Hilfe seines breiten Sortiments seien die Umsatzeinbußen zu kompensieren.

So ergeht es auch seinem Kollegen Giuseppe Traina, Geschäftsführer der Eiscafés Palma am Meererhof und Am Konvent. "Kaum jemand möchte Meloneneis im November essen, und jetzt ist es noch wie im November", sagt er. Entsprechend weniger Eis werde derzeit produziert. "Die Kunden wünschen Kaffee und Waffeln statt Eis. Darauf stellen wir uns ein", sagt Traina.

Sein Angebot umstellen kann Roland Steinbiß, Marktleiter beim Hagebaumarkt in der Normannenstraße, dagegen nicht. Im Gartencenter steht die ganze Blütenpracht der Primeln, Anemonen, Narzissen, Tulpen, Hyazinthen, Stiefmütterchen und Hornveilchen. Doch die Frühblüher werden kaum gekauft. "Wer geht schon bei null Grad in den Garten und buddelt Pflanzen ein oder erneuert seinen Gartenzaun?", fragt Steinbiß eher ironisch. Entsprechend welken die Pflanzen vor sich hin. "Über die Hälfte müssen wir wegwerfen", sagt er. Bei manchen Pflanzen seien es sogar bis zu 70 Prozent. An einen vergleichbar schlechten Saisonauftakt kann sich der Fachmann — seit 23 Jahren im Hagebaumarkt — nicht erinnern.

Keine Auswirkungen hat das schlechte Wetter dagegen auf den Umsatz bei Blumen Bunse an der Erftstraße. Das überschaubare Angebot an Primeln, Bellies oder Vergissmeinnicht für die Freilandbepflanzung vor dem Geschäft werde zwar auch nur vereinzelt genutzt, so Inhaber Dieter Bunse. "Dafür holen sich die Kunden den Frühling mit bunten Sträußen ins Haus."

(NGZ/url)