Die Hochschulpläne von Daniel Rinkert (SPD) für den Rhein-Kreis Neuss

Neusser Woche - Kommentar : Willkommen im Hochschul-Klub!

Da ist sie wieder, die Hochschule für den Rhein-Kreis Neuss! Daniel Rinkert, Chef der Kreis-SPD und Aspirant für die Bundestagskandidatur seiner Partei, reiht sich mit seinem Vorschlag, den Kreis zum Standort einer staatlichen Hochschule zu machen ein in eine lange Riege von Politikern, die das Thema für sich entdeckt haben.

Immer gern vor wichtigen Wahlen, immer ohne großen Erfolg. Ein Blick auf die Chronologie der Hochschul-Wünsch-dir-was-Liste aus den vergangenen Jahrzehnten: 2007 fordert die Kreis-FDP eine Beteiligung am Landesprogramm zum Ausbau der Fachhochschulen. Schwerpunkt soll Umwelttechnik sein. Wenig später signalisiert der damalige Landrat Dieter Patt (CDU) in Richtung Andreas Pinkwart (FDP), damals Wissenschafts-, heute Wirtschaftsminister in NRW, dass der Rhein-Kreis an einer FH für Technik und Energie interessiert sei. Das unterstützt 2008 auch Bijan Djir-Sarai, damals FDP-Kreisvorsitzender auf dem Weg in den Bundestag. Später geht es immerhin noch um einen Ableger der Hochschule Niederrhein in Neuss, Schwerpunkt Energie und Lebensmittelindustrie – leider abgelehnt, wie alle früheren Pläne auch, obwohl der Kreis mit Stiftungsprofessuren und Gratis-Grundstücken lockte. Nächster Anlauf 2013: Hans Christian Markert, damals Landtagsabgeordneter der Grünen bringt erneut eine FH ins Spiel, diesmal für erneuerbare Energien. Auch als er 2015 Landrat werden will, hat der das Thema wieder im Programm. Weiter geht’s 2019 mit den Verhandlungen über den Kohlekompromiss. Landrat Petrauschke sieht den Strukturwandel auch als Chance, künftig Hochschuleinrichtungen direkt in den Kreis zu holen. Willkommen im Klub, Daniel Rinkert! Das Anliegen übrigens, ob „weltbeste Uni“, wie jetzt bei Rinkert, oder spezialisierte, zur Struktur passende und von der Wirtschaft unterstützte Hochschule, ist aller Ehren wert und würde die Region unbestritten nach vorn bringen. Die Chancen auf Realisierung allerdings sind, da x-mal geprüft und – wegen der vielen (Exzellenz-)Hochschulen im Umkreis – immer wieder verworfen, gering. Der Plan der Mega-Uni auf dem Kraftwerksgelände mag zum Träumen einladen. Wichtig für die Region ist aber, dass sie hellwach bleibt und konkret daran arbeitet, dass der Strukturwandel gelingt. Bislang gibt es viele Ideen und Versprechen, aber wenig Konkretes.