Neuss : Die Hafen-Bosse

Seit 2004 stehen Ulrich Gross (für Neuss) und Rainer Schäfer (für Düsseldorf) an der Spitze der Neuss Düsseldorfer Häfen. Sie gehen zusammen regelmäßig in "Klausur", haben ihre ganz eigenen Lieblingsplätze im Hafen und streben nun die Kooperation mit Köln an.

Ulrich Gross und Rainer Schäfer haben etwas zustande gebracht, woran viele vor ihnen gescheitert sind und wovon sogar mancher behauptet, es sei nicht möglich: Sie haben Neuss und Düsseldorf ausgesöhnt und den Norden und das Rheinland gleich mit. Die zwei sind die Doppelspitze der Neuss Düsseldorfer Häfen (NDH), Schäfer wurde 2003 auf Düsseldorfer Ticket Geschäftsführer, Gross 2004 für die Neusser Seite.

Diese Zuordnung war für die beiden aber schon am ersten Tag ihrer Zusammenarbeit obsolet. Da fuhren sie erstmal gemeinsam "in Klausur ins Kloster", wie Gross sagt. Zumindest sei ihm die Abgeschiedenheit des Mutterhauses der Kaiserswerther Diakonie so vorgekommen wie ein Kloster: altehrwürdiges Ambiente, dicke Mauern, Handyverbot.

Dort entwickelten Gross und Schäfer die Stoßrichtung für ihre Zusammenarbeit, mit der sie die beiden Häfen zusammenbringen sollten. 2003 hatten die Häfen fusioniert und sich am Krefelder Hafen eingekauft. Jetzt soll mit Köln kooperiert werden. Ihr Ziel: Die NDH zu einem Universalhafen zu machen und nicht nur auf einen Bereich zu setzen, selbst wenn der wie das Containergeschäft, stark wächst. Weg von der Monostruktur, weg vom alleinigen Dreiklang "löschen, lagern, umschlagen" und hin zu Dienstleistungen, wie der Veredelung von Sand und Kies direkt vor Ort.

Und hin zur Vermittlung von Kunden: Schiffe, die Eisenerz liefern, sollen nicht leer zurückfahren, sondern den Kies eines anderen Kunden mitnehmen. "Wenn einer am Hafenbecken II und der andere an Hafenbecken III liegt, treffen sie sich nicht. Es ist unsere Aufgabe, sie zusammenzubringen", sagt Schäfer. Solche Strategien überlegen sich der Rheinländer Schäfer und der Hanseate Gross gemeinsam und setzen sie auch gemeinsam um.

Die beiden ziehen an einem Strang, sei es bei der Bewertung der Zukunft des Kerngebiets des Hafens ("Dort wird es keine Wohnungen geben. Auch in Düsseldorf wird das problematisch. Dann lieber das Bekenntnis zum reinen Industriehafen", Gross) oder bei der Nutzung der Freiflächen im Hafen, etwa an der Hansastraße ("Das sind insgesamt 150 000 Quadratmeter, aber nicht am Stück. Wir müssen das zusammenführen, um es gut zu vermarkten", Schäfer).

Das Führungs-Duo vertraut einander: Ist einer in Urlaub, hat der andere die volle Kompetenz über den Geschäftsbereich des anderen. Hat einer eine Zahl nicht im Kopf, weiß sie ganz sicher der andere: "Wir haben seit 2003 neue Mitarbeiter eingestellt", sagt Schäfer. "Derzeit sind es 260, 270." — "265", präzisiert Gross wie aus dem Effeff.

Im Gespräch lässt Schäfer (56) seinem Kollegen Gross (58) gern mal den Vortritt: "Alter vor Schönheit", frotzelt er. "Jetzt sind gerade die drei Monate im Jahr, in denen wir zwei Jahre auseinander sind, sonst ist's nur eines. In dieser Zeit ist er immer besonders gut gelaunt", kontert Gross, der so gar nichts von einem kühlen Nordlicht hat. Im Gegenteil, das Zurückhaltende scheint hin und wieder eher dem Rheinländer Schäfer liegen.

Vielleicht gehört auch das dazu, dass sich das Naturell angleicht oder verwischt, wenn zwei Männer so eng miteinander arbeiten, so aufeinander angewiesen sind. Gemeinsam haben sie seit 2004 bis auf das Krisenjahr 2009 in allen Bereichen zweistellige Zuwachsraten eingefahren, sieben Ausbildungsstellen geschaffen und kreative Modelle entwickelt, um die Mitarbeiter am Erfolg der NDH zu beteiligen. Regelmäßig bilden sie ihr Führungspersonal fort, das ausschließlich aus den eigenen Reihen stammt und immerhin zwei Frauen (zu sechs Männern) in der ersten Reihe aufweist.

Als Lieblingsort im Hafen nennt Schäfer einen Platz an der Tilsitter Straße. Auf dem Gelände, auf das sonst kein Privatauto darf, fährt er nah ans Hafenbecken und lässt den Blick schweifen. Einen weniger bildhaften Lieblingsort hat Gross: "Das Peperoni, das beste Fischrestaurant."

Auch dabei ergänzen sich die Zwei. Ab 2012 holen sie mit der Kooperation auch die Häfen- und Güterverkehr Köln mit ins Boot. Es soll ein weiteres Meisterstück der Integration für den Düsseldorfer und den Hamburger werden.

(NGZ)