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Neuss: Die Geige ist auch im Alltag immer dabei

Neuss : Die Geige ist auch im Alltag immer dabei

Der österreichische Violinist Daniel Auner spielt am Sonntag zum ersten Mal mit der Kammerakademie im Zeughaus. Seine erste Geige bekam er mit sechs Jahren. Angefangen hat er mit einer Bratsche, die zum Cello gemacht wurde.

Kariertes Hemd, Jeans, Sneakers - rein äußerlich unterscheidet sich der 27-Jährige kaum von seinen Altersgenossen. Wenn da nicht diese lässig über die Schulter geschwungene Instrumententasche wäre. Dass darin eine Geige steckt, sieht man zwar nicht auf den ersten Blick, aber sie ist immer dabei. "Ja", sagt Daniel Auner lachend, "ich lasse sie nie zurück, trage sie immer mit mir." Selbst im Urlaub fehlt sie nicht: "Es geht einfach nicht ohne, und ich weiß, dass das ein wenig abstrus wirken muss", sagt er fast entschuldigend. Dabei macht der gebürtige Österreicher keineswegs den Eindruck eines besessenen Musikers. Eher den eines beseelten, für den das Instrument sichtbares Symbol seiner Liebe zur Musik ist.

Zum ersten Mal tritt er, der mittlerweile in der ganzen Welt unterwegs ist, mit der Deutschen Kammerakademie (DKN) in Neuss auf. Dabei kennt er die einzelnen Musiker schon lange, schließlich arbeitet seine Lebensgefährtin, die Geigerin Barbara Galante, immer wieder mit der DKN; außerdem gibt es zahlreiche Querverbindungen durch das Studium am Salzburger Mozarteum, wo Chefdirigent Lavard Skou-Larsen seit langem eine Violinklasse leitet.

Dass aus ihm ein Berufsmusiker werden würde, war für Daniel Auner jedoch nicht von Beginn an klar. Mit sechs bekam er seine erste Geige - und danach ließ er sie und sie ihn nicht mehr los. "Dabei war es anfangs wie überall", erzählt er lachend, "der kleine Sohn wollte machen, was der Papa macht." Der spielt nämlich Cello, die Mutter Klavier. An den Tasten hat sich Daniel als Fünfjähriger auch versucht, aber dann sollte es das Cello sein. Seine Eltern ließen kurzerhand eine Bratsche mit einem Stachel versehen. "Darauf habe ich rumgesägt, bis ich anfing, die Bratsche wie eine Geige ans Kinn zu setzen, aber da war dann der Stachel im Weg ..." Die Eltern gaben sich geschlagen und kauften dem Jungen seine erste Geige. Auch wenn sich Daniel Auner dann als großes Talent entpuppte, in vielen Wettbewerben auf dem Treppchen landete - von einer beruflichen Perspektive war lange Zeit nicht die Rede. "Meine Eltern kennen das Leben als Musiker genau", sagt er, "sie wussten immer, wie hart es ist, und sie wussten auch, dass man dafür eine große Leidenschaft braucht."

Die zeigt Auner zweifellos, und so wurde auch er Musiker, macht sich aber keine Illusionen darüber, dass es schwer ist, sich im internationalen Geschäft zu behaupten. Im Kleinen sieht er das im Musikerreichen Wien, und "ich weiß, dass ich dort nicht ewig bleibe". Brasilien kann er sich vorstellen, hat bei mehrfachen Gastspielen dort erlebt, wie vernarrt die Menschen in Musik sind und diese auch gerne fördern.

Auners Leidenschaft für die Musik geht weit über das Spielen hinaus. "Ich betreibe zu jedem Stück Ursachenforschung", sagt er und lacht, "schaue mir an, wie und wann es geschrieben ist, studiere alte Handschriften." Wenn er dann wie jetzt mit der DKN Mendelssohns Konzert für Violine und Streicher d-Moll spielt, soll das Ganze ein Dialog, kein Abspielen sein. Und er ist froh, dass auch Skou-Larsen sich mit ihm für die beiden Ursprungsfassungen des Komponisten entschieden hat - und nicht für die seiner Meinung zu stark bearbeitete Fassung von Yehudi Menuhin.

(NGZ)