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Neuss: Die Bildwelten des Bruno Goller

Neuss : Die Bildwelten des Bruno Goller

Im Siza-Pavillon auf der Raketenstation ist zum ersten Mal eine Kunst-Ausstellung zu sehen. Bilder und Zeichnungen des Düsseldorfer Künstlers Bruno Goller sind der Auftakt zu einer neuen Ausstellungsreihe in Hombroich.

Es gibt ein Foto in dieser Ausstellung, das wie kaum etwas anderes in diesen Räumen davon erzählt, wie und warum diese Schau zustande kam. Da sitzt der Sammler neben dem Künstler auf dem Sofa; der eine in den sogenannten besten Jahren, der andere fast schon am Ende seines Lebenswegs. Einander zugewandt ist beider Haltung. Zuneigung spiegelt sich darin, aber auch der Respekt vor dem anderen und seinem Tun.

Der Kunsthistoriker und Germanist Volker Kahmen war viele Jahre eng mit dem Düsseldorfer Künstler Bruno Goller (1901—1998) verbunden, hat als Privatsekretär seine Korrespondenz geschrieben, mit ihm über seine Bilder geredet — und sie auch gekauft. In der ohnehin beachtlichen Sammlung, die Kahmen für sein heutiges Kunst- und Literaturinstitut in Hombroich zusammengetragen hat, nehmen die Goller-Werke besonderen Raum ein.

So ist es denn auch ein beredtes Zeichen, dass mit der Ausstellung "Bruno Goller. Bilder und Zeichnungen" eine neue Reihe im Siza-Pavillon eröffnet wird, die künftig immer wieder Zusammenstellungen unter dem Motto "Aus den Beständen der Insel Hombroich" zeigen wird. Denn Kahmens Sammlungen gehören zu Hombroich, sind entweder im Rosa Haus auf der Insel oder im Institut auf der Raketenstation beheimatet und bergen wie auch andere in der Hombroicher Stiftung Schätze, die bislang kaum zu sehen waren.

Die Goller-Ausstellung verblüfft auch so manchen Kenner des in Gummersbach geborenen Künstlers. Das fängt schon mit dem ältesten Bild an, das den späteren Maler kaum erahnen lässt: "Trockene Blumen" von 1922. Aber schon sieben Jahre später deutet sich in "Schreitendes Mädchen" und noch zwei Jahre später in "Die Geschwister" dieser ganz besondere Stil des Künstlers an, Bildwelten zu schaffen, in denen es sich lange herumwandern lässt.

Dazu trägt auch die ruhige Hängung bei. 49 Werke von Goller und eines von Konrad Klapheck, der seinen ehemaligen Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie 1997, ein Jahr vor dessen Tod, in einer Kohlzeichnung wunderbar prägnant porträtiert hat, wurden von Volker Kahmen großzügig auf die Wände der verschiedenen Räume verteilt und zudem regelrecht auf Augenhöhe gehängt. Da ist kein Kopfrecken nötig, um Details zu studieren, und selbst auf eine paar Schritt Entfernung hat man das Gefühl, dieser Kunst ganz nah zu sein.

Fast jedes Jahrzehnt aus dem Schaffen Gollers, der 1928 zu den Mitbegründern des "Jungen Rheinlands" gehörte, wird gespiegelt. Und selbst bei der Hombroich-typischen Beibehaltung der Nicht-Beschriftung (aber ein bisschen Hilfe durch einen Zettel mit Titeln und Jahresangaben) lässt sich darin ein ganzes Künstlerleben ablesen.

(NGZ/ac)