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Neuss: Dichter Verkehr: Busse immer länger unterwegs

Neuss : Dichter Verkehr: Busse immer länger unterwegs

Stadtwerke müssen ihr Liniennetz immer an sich wandelnde Bedürfnisse anpassen. Fahrten sind teilweise nicht wirtschaftlich.

Die Politik wünscht sich eine bessere Anbindung der neuen Sekundarschule an der Gnadentaler Allee an das Busliniennetz der Stadtwerke. Doch so einfach ist das nicht. Aus Sicht der Planer ist die Anbindung noch in Ordnung, stellt Uwe Koppelmann als Leiter der städtischen Verkehrsbetriebe mit Blick auf die Linie 854, die direkt vor der Schule hält, und auf die mit kurzem Fußweg erreichbare Haltestelle der Linie 851 fest. "Wir können erst einmal nur beobachten, wo die Schüler dieser Schule herkommen, um dann eventuell etwas ändern zu können", sagt Koppelmann.

Dabei ist die Führung der Buslinien ohnehin nicht so starr. Immer müssen die Planer sich wandelnde Bedürfnisse im Auge behalten und gegebenenfalls reagieren. Mit Linien bedient werden können allerdings nur die Verkehrsströme. So sind Verbindungen zwischen benachbarten Ortsteilen aus Sicht der Stadtwerke nicht wirtschaftlich zu betreiben. Auch das erklärt, warum die meisten Linien über die zentrale Haltestelle an der Zollstraße führen.

Noch haben wir die Jahreszeit der vollen Busse. Im Winterhalbjahr sind die Fahrzeuge der Stadtwerke häufig voller als im Sommer. Besonders wenn der Winter so ungemütlich daherkommt wie in diesem Jahr. Die Kundenzahlen sprechen für sich: Mit dem neuen Fahrplan im Januar mussten die SWN keine großen Neuerungen am Liniennetz vornehmen. Im vergangenen Jahr gab es Veränderungen in den Abendstunden, vor allem am Wochenende, als der Nachtexpress eingeführt wurde. Diese Neukonzeption hat sich bewährt, und an den bestehenden Linien gab es keine größeren Baustellen. "Lediglich im Süden mussten wir die Fahrzeiten anpassen", erklärt Koppelmann.

Eine Ursache für solche Anpassungen: Busse brauchen heute oftmals länger als früher, um ihre Strecken zu bewältigen. Das liegt laut Koppelmann zum einen an immer volleren Straßen, zum anderen lassen abgestellte Autos eine zügige Durchfahrt nicht zu. Und oft bremsen Geschwindigkeitsbeschränkungen die Busse aus. Ein System, mit dem Busfahrer an Ampeln "Grün" anfordern konnten, brachte bei Einführung in den 1990er Jahren zunächst eine Zeitersparnis ein, doch sie ging laut Koppelmann, "in den letzten Jahren wieder verloren". Heute brauche ein Bus bis zu fünf Minuten mehr als vor einigen Jahren, um aus dem Neusser Süden bis in die Stadt zu gelangen.

Trotzdem können sich die Stadtwerke über stetig wachsende Fahrgastzahlen freuen. 26,5 Millionen Mal stiegen Neusser im vergangenen Jahr in den Bus. Einen großen Teil davon stellen die Schüler, die immer weitere Wege zur Schule zurücklegen. Und auch das gehört für die Planer dazu, wenn sie auf die Auslastung achten: Sinken die Fahrgastzahlen in Randzeiten so stark, dass der Einsatz eines Busses nicht wirtschaftlich ist, bleibt die Verbindung zwar im Fahrplan, aber der Bus wird durch den Taxi-Bus ersetzt. Dafür muss jede Fahrt 30 Minuten vorher angemeldet werden.

(NGZ/rl)