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Neuss: Deutschlands schönste Frau in Neuss gekürt

Neuss : Deutschlands schönste Frau in Neuss gekürt

Der ehemalige Weckhovener SPD-Stadtverordnete Carsten Mohr will mit dem Titel "Deutschlands Schönste" das Image der Schönheitswettbewerbe aufpolieren. Die in Neuss gekürte Siegerin fährt nun zum Miss World Finale.

Miss-Wahlen umweht stets ein Hauch Schmuddeligkeit. Für eine Schärpe und einen fragwürdigen Titel stolzieren junge Frauen in Bikinis und Unterwäsche hemmunglos vor den Augen einer zweifelhaft ehrbaren Jury durch Provinzfreibäder oder lassen sich auf Disco-Bühnen vom Tanzvolk begaffen. Selbst bekannte Miss-Wahlen spielen im deutschen Fernsehen deshalb schon lange keine Rolle mehr: "Seit 30 Jahren wurde hier kein Finale eines deutschen Schönheitswettbewerbs mehr übertragen", sagt Carsten Mohr. Der Neusser will das nun ändern. Eigentlich berät der Diplom-Kaufmann als Interims-Manager angeschlagene Unternehmen. Jetzt aber will er mit "Deutschlands Schönste" den angekratzten Ruf der Schönheitswettbewerbe aufpolieren. "Der Titel soll für Qualität stehen", sagt er. Heißt: Seriöse Sponsoren, talentierte Kandidatinnen, keine Skandale.

Vielen Neussern dürfte Mohr weniger als Retter der Miss-Wahlen, sondern eher als ehemaliger Weckhovener SPD-Stadtverordneter bekannt sein. Vor 16 Jahren galt er als großes bei den Sozialdemokraten als großes Talent — doch der Job kam einer Polit-Karriere zuvor: Mohr ging als Projektfinanzierer nach Polen. Was kaum jemand weiß: Der 48-Jährige besitzt auch die Lizenz von Miss World, dem weltweit bekanntesten Schönheitswettbewerb. Die Siegerin des Castings "Deutschlands Schönste" vertritt das Land deshalb im Finale.

Und wie kommt der Manager zur Miss-Wahl? Während eines Projekts in Panama hatte Mohr den Initiator eines Wettbewerbs kennen gelernt, der ihn als Berater engagierte. In Südamerika und Polen hat er solchen Shows bereits zum Quotenerfolg verholfen. "Im Ausland ist das Unterhaltung", sagt Mohr. "Wenn in Frankreich "Miss France" gekürt wird, sitzen die Leute vorm Fernseher, als würde Fußball laufen", sagt Mohr. Geht es nach ihm, soll das auch hier bald der Fall sein — "Deutschlands Schönste" soll ein TV-Format werden.

Statt im Bikini die Bühne auf- und abzuschweben, sollen die Bewerberinnen dort zeigen, was sie können. "Sie müssen Talent beweisen, tanzen und singen", sagt Mohr. Gab's schon, mag man entgegnen: Sommermädchen, Germanys Next Topmodel, Supertalent — immer neue Titel für immer gleiche Inhalte. Mohr will etwas Neues. Unterhaltsam soll die Show sein, aber bitte keine Fleischbeschau mit Zickenkrieg nach Drehbuch. Derzeit verhandelt er mit öffentlich-rechtlichen Sendern.

Das Casting zu "Deutschlands Schönste" lief aber auch ohne Kamera — und die Siegerin steht bereits fest: Sabrina Reitz aus Langenselbold bei Frankfurt. Mohr ließ sie am vergangenen Samstag auf dem Hafenfest seiner Heimatstadt Neuss küren — "ein guter Rahmen." Die 20-Jährige wird beim 61. Finale des Miss-World-Wettbewerbs in London für Deutschland antreten.