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Neuss: Deutsche Küche ganz exotisch

Neuss : Deutsche Küche ganz exotisch

Die Begeisterung für Spargel ist typisch deutsch – und nicht für jeden verständlich, der neu in diesem Land ist. Doch gemeinsames Essen verbindet: Das zeigt ein Treffen der Neusser Gruppe "CareMigration".

Die Begeisterung für Spargel ist typisch deutsch — und nicht für jeden verständlich, der neu in diesem Land ist. Doch gemeinsames Essen verbindet: Das zeigt ein Treffen der Neusser Gruppe "CareMigration".

Sarba Umasuthan hat noch nie in ihrem Leben Spargel gegessen. Etwas skeptisch schneidet sie die langen weißen Stangen auf ihrem Teller. Während ihre deutschen Tischnachbarinnen begeistert von der Qualität des Gemüses schwärmen, das sie extra beim Spargelhof gekauft haben, isst die Tamilin vorsichtig weiter. Deutsches Essen — für Sarba Umasuthan ist das wahrhaft exotisch. Denn zu Hause kocht sie meist nur Gerichte aus ihrer Heimat Sri Lanka.

Es sind solch kleine Erlebnisse des Alltags wie ein traditionelles Spargelessen, die Migranten ohne deutsche Freunde nicht erleben. Auch Kiki Lymperopoulou erzählt, dass sie Spargel "höchstens" im Restaurant essen würde. "Selbst kochen, das traue ich mich nicht", erzählt die Griechin, die seit anderthalb Jahren in Deutschland lebt. Nun hat sie gleich sieben Kilo Spargel zubereitet — zum Glück nicht allein. Denn getroffen hat sich Kiki Lymperopoulou an diesem Abend mit den Frauen der Gruppe "CareMigration".

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Das Projekt hat die Sozialpädagogin Despina Kosmidou vor drei Jahren ins Leben gerufen. Ihre Idee: Freundschaften zwischen Migranten und Deutschen fördern. Über das Programm hat Sarba Umasuthan die Neusserin Dagmar Schüttler kennen gelernt. Beide Frauen sitzen beim Spargelessen nebeneinander, und Schüttler hilft ihrer tamilischen Freundin, wenn es mit der deutschen Sprache nicht recht klappen will. CareMigration hat sie zusammen gebracht. "Erst sind wir nur zusammen Kaffee trinken gegangen, später sogar zusammen mit unseren Kindern in den Urlaub gefahren", erzählt Dagmar Schüttler. Denn ursprünglich lief das Projekt als Patenschaftsprogramm: Despina Kosmidou wollte Einwanderern die Möglichkeit geben, durch Kontakte mit Deutschen ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. "Doch mittlerweile sind wir als Gruppe stark zusammengewachsen", sagt Kosmidou.

Regelmäßig treffen sich die Frauen, gehen ins Kino, ins Theater oder machen gemeinsame Ausflüge. Zwischen den Frauen herrscht große Vertrautheit, es wird gescherzt und gelacht. "Durch das Projekt bin ich offener geworden", sagt Trixi Stroh, die mit 29 Jahren jüngste Teilnehmerin. Andere Kulturen und andere Mentalitäten kennen zu lernen, das hat sie zum Mitmachen motiviert. So hat es vor dem Spargelkochen auch schon einen Abend mit internationaler Küche gegeben, zu der jede Frau etwas beisteuern konnte. Sarba Umasuthan kochte ein Gericht, von dessen Gewürzmischung alle Frauen heute noch schwärmen. Heute hat die Tamilin nun ihren Spargel höflich aufgegessen. Und während ihre deutschen Freundinnen fleißig Nachschlag fordern, blickt sie sich um und schmunzelt: Darüber, dass ein so unscheinbares Gemüse solche Begeisterung auslösen kann.

(NGZ)