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Deutsche Kammerakademie Neuss (DKN) gibt Konzert in der Stadthalle

Deutsche Kammerakademie Neuss : Endlich wieder Musik vor Live-Publikum

Die Deutsche Kammerakademie Neuss (DAKN) hat die Corona-Pause beendet. Zum Wiedersehen gab es ein Doppelkonzert in der Stadthalle, bei dem vor allem die zweite Hälfte ein Genuss war.

Das dritte Abonnementkonzert der Deutschen Kammerakademie Neuss (DKN) war vom 7. Februar auf das vergangene Wochenende verschoben worden, „und ich bin ganz glücklich, dass dies aufgrund sinkender Inzidenzzahlen möglich war“, sagt Orchestermanager Martin Jakubeit. Vollkommen glücklich war auch das Publikum, wie ein nicht enden wollender Applaus signalisierte. Wegen des nötigen Abstandes und des deutlich größeren Podiums fand das Konzert in der Stadthalle statt. „Es ist einfach nur wunderbar, wieder vor Live-Publikum zu spielen“, begrüßte die künstlerische Leiterin der DKN, Isabelle van Keulen, das Publikum. Sie war zugleich die Solistin des „Konzert für Viola, Klavier und Streichorchester“ von Gregori Samuilowitsch Frid.

Der russische Maler, Schriftsteller und Komponist (1915-2012) ist in Deutschland bekannt durch seine Monooper für Sopran und Orchester „Das Tagebuch der Anne Frank“ (1969). Weil Isabelle von Keulen und der bayerische Pianist Oliver Triendl, der sich vornehmlich für zeitgenössische Entdeckungen engagiert, zu diesem Doppelkonzert für eine Capriccio-CD zusammenfanden, war das Konzert vermutlich auf dem Neusser Podium gelandet – und alles andere als eine Offenbarung. Zu langatmig, zu dunkel trotz permanent violinesker Höhen in der Viola, zu exaltiert in den Grenzlagen des Flügels, das vorherrschende elegische Stimmungsbild nie wirklich auskostend, wurde das mehr als halbstündige Werk zum Langweiler. Das DKN-Orchester war sichtbar unterfordert, Oliver Triendl spielte seinen zumeist zweitönigen Klavierpart vermutlich makellos.

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Vollkommen entschädigt wurde das geduldige Publikum durch das zweite Werk des Abends: Arnold Schönberg hatte als 24-Jähriger noch in seiner ersten tonalen Schaffungsphase die „Verklärte Nacht“ des deutschen Lyrikers Alfred Dehmel aus seiner Sammlung „Weib und Welt“ 1899 vertont. Das Streichsextett gilt als der Gipfel spätromantischer Entwicklung. Das sah auch Arnold Schönberg so, denn er hat 1917 und 1943 sein Werk für Orchester bearbeitet. Die letzte Fassung spielte die DKN und leistete Großartiges.

Christoph Poppen, der beim Kölner Kammerorchester die gleiche Position bekleidet wie Isabelle van Keulen bei der DKN, beschreibt sein Lieblingswerk: „Die Ekstase wird durch die Orchestrierung vergrößert. Die extrem empfindliche Kammermusik bleibt auch in den Soli erhalten.“ Neben einer glänzenden DKN bestachen in den Soli Isabelle van Keulen (Violine), Inés Pérez García (zweite Violine), Danka Nikolic (Viola), Milan Vrsajkov (Violoncello) und – so selten und so schön – Vilmos Buza (Kontrabass).