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Deutsche Erstaufführung „Vor dem Entschwinden“ am RLT Neuss

Premiere am RLT : Schauspiel mit verschiedenen Wahrheiten

Am RLT hat als Deutsche Erstaufführung „Vor dem Entschwinden“ des französischen Dramatikers Florian Zeller Premiere.

Dass ein Landestheater die Deutsche Erstaufführung eines Stücks im Spielplan hat, zeugt entweder vom Spürsinn des Intendantenteams oder von Glück. Beides war es wohl, was nun dazu führt, dass das Schauspiel „Vor dem Entschwinden“ des französischen – und sehr angesagten – Dramatikers Florian Zeller am morgigen Samstag im RLT Premiere hat.

„Wir haben wirklich ein bisschen Glück gehabt“, sagt Regisseur Tom Gerber und erzählt, dass Intendantin Caroline Stolz dank der früheren Inszenierung eines Zeller-Stücks Kontakte zum Verlag habe. „Über einen befreundeten Dramaturgen sind wir dann auf ;Vor dem Entschwinden’ gestoßen und wussten sofort: Das wird nicht einfach, aber ein Kracher.“ Mit „nicht ganz einfach“ umschreibt er die Inszenierung eines Stücks, das mit der Realität spielt. Denn es erzählt von André und Madeleine, einem alten Ehepaar, das einander sehr zugetan ist und glücklich zusammenlebt. Bei André aber zeigen sich erste Defizite, er droht demenziell zu werden, wodurch sich für die Familie, zu der noch die Töchter Anne und Elise gehören, die Frage ergibt: Wie gehen wir damit um?

Eine Frage, die laut Gerber vorrangig Ältere betrifft, so dass er auch davon ausgeht, dass „das Stück nicht zwingend etwas für Pubertierende“ ist. Erzählt wird in unterschiedlichen Perspektiven, aus Sicht der vier Familienmitglieder, es bleibt unklar, welche Wahrheit die reale ist. Verschiedene Möglichkeiten werden durchgespielt, Erinnerungen an Ereignisse und Personen lebendig.„Das macht es schwierig, das Stück in den Griff zu bekommen“, sagt der Regisseur – der gleichwohl sicher ist, dass es dem Zuschauer nicht schwer fallen wird, durchzusteigen. „Voraussetzung ist allerdings, dass er sich irgendwie mit dem Thema schon mal befasst hat.“

Auch Bühne und Kostüme hat er gestaltet. Ersteres als „durchscheinender Raum“, zweites bricht vor allem im Äußeren der zwei namenlosen Figuren des Stücks, die Familienwelt von André, Madeleine, Anne und Elise.

Es spielen Christiane Lemm und Heiner Stadelmann (Madeleine, André), Juliane Pempelfort und Anna Lisa Grebe (Anne und Elise), Hergard Engert und Peter Waros (Frau, Mann).

Info Am Obertor, Premiere ist ausverkauft, nächste Vorstellung, Donnerstag, 16. Januar, 20 Uhr, 02131 269933

(hbm)