Neuss: Des Malers Blick auf Häuser

Neuss: Des Malers Blick auf Häuser

"Time goes by" (Zeit vergeht) – ist der passende Titel für eine Ausstellung, bei der der Neusser Künstler Stefan Kürten Lithografien, Linoldrucke und Ölgemälde bis 15. August auf dem Dezernentenflur im Rathaus zeigt.

"Time goes by" (Zeit vergeht) — ist der passende Titel für eine Ausstellung, bei der der Neusser Künstler Stefan Kürten Lithografien, Linoldrucke und Ölgemälde bis 15. August auf dem Dezernentenflur im Rathaus zeigt.

Mit Blumen- und Tapetenbildern hat es angefangen. "Mal doch mal was Schönes", hatte die Mutter zu ihrem Sohn gesagt, und das fand dieser vor allem in den Mustern an den Wänden in der heimischen Küche. Inzwischen gehen seine Bilder über diese Innenansichten hinaus, zeigen vor allem Häuser und Landschaften, ist der kleine Junge längst erwachsen und außerdem ein bekannter Künstler mit Ausstellungen in Deutschland und den USA. Wenn der Maler Stefan Kürten, der in Meerbusch-Büderich und Neuss aufgewachsen ist, von seinen Ursprüngen erzählt, kommt noch eine Erinnerung ins Spiel: Über Jahre ist er als Kind und Jugendlicher mit den Eltern "Häuser gucken" gefahren — so lange, bis die Eltern ihr eigenes Haus in Neuss bauten.

Die auf den Tapeten studierten Ornamente und die Faszination von fremden Häusern, "bei denen ich mir vorgestellt habe, wie wir darin wohnen", sind nämlich geblieben und bestimmen nicht erst seit Kürtens Ausbildung an der Düsseldorfer Kunstakademie (1983 — 1989) die Themen seiner Bilder. Das Haus als zweite Haut des Menschen, als Ausdruck einer Lebensform ist auch das dominante Motiv in der Ausstellung "Time goes by", mit der der 46-Jährige zu seinen Wurzeln zurückkehrt. Knapp 25 Werke (einige davon mehrteilig) sind ab am Donnerstag in der Reihe "Kunst im Rathaus" zu sehen, wo der Maler 1991 mit dem Kunstförderpreis der Stadt ausgezeichnet wurde.

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Aus alter Verbundenheit hat sich der von renommierten Galerien vertretene Künstler auf den ungewöhnlichen und nicht einfachen Ort eingelassen, denn die Kunst hängt an den Wänden eines langen Flurs mit vielen Türen. Aber Kürten hat gemeinsam mit Kurator Klaus Richter gar eine besondere Ausstellung gemacht. Zum ersten Mal zeigt er in umfassender Gesamtheit Lithografien, die zu verschiedenen Zeiten entstanden sind und oft auf den ersten Blick wie seine Gemälde wirken. Häuser in Kanada, in den USA, in Neuss, in Düsseldorf — Kürten malt sie nach fotografischen Vorlagen, aus denen er jede Farbe getilgt hat. "Dann habe ich mehr Freiheit", begründet er, denn ihm geht es nicht um eine realistische Abbildung, sondern um das, "was es auslöst": erinnerte Bilder, die manchmal schmerzlich die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit spürbar machen.

Für Klaus Richter sind die "unglaublich aufwendig" gemachten Lithos wahre Kleinode. Denn Kürten hat wie in einem Malvorgang Schicht um Schicht aufeinandergelegt, dabei lediglich mit "gedachten Farben" gearbeitet, die dann erst für den Druck entstanden.

(NGZ)