Neuss: Derikum als Ort der gelungenen Integration

Neuss : Derikum als Ort der gelungenen Integration

CDU-Politikerin Waltraud Beyen setzt sich seit Jahren für "ihr" Derikum ein. Jetzt gab sie für die "Neusser Kanten" die Stadtteil-Führerin.

Seit es Derikum gibt, musste das Quartier die Stadt Neuss immer versorgen - so spitzte Waltraud Beyen am Samstag die Geschichte ihres Stadtteils zu, durch den sie im Rahmen der "Neusser Kanten" führte. 1275 wurde der Ortsteil zum ersten Mal als "Derichem" erwähnt. Große Hofanlagen dominierten das Gebiet. Es gilt als sicher, dass die Fläche am Norfbach schon zu Römerzeiten zur Versorgung der Legionen genutzt wurde.

In der französischen und kurfürstlichen Zeit mussten die dortigen Gutshöfe dann Pfründe nach Neuss abgeben. Später gehörte Derikum zu Hülchrath, wurde als "Gemeinde Norf" eigenständig. Bis heute hält sich der Verdacht, dass die Stadt Neuss mit der Eingemeindung 1974 vor allem die Reichtümer von Derikum für sich gewinnen wollte.

Als "schmerzlichen Akt" bezeichneten auch einige Teilnehmer der "Neusser Kanten" diese Eingemeindung. Verstärkt wurde diese Meinung, als Waltraud Beyen den Schlusssatz der Eingemeindungsrede des letzten Norfer Bürgermeisters Wilhelm Graf von Pfeil am 17. Januar 1975 vorlas: "Wir Norfer haben etwas geleistet, um das uns Viele beneidet haben. Wir waren erfolgreich und erfahrungsgemäß ist der Umgang mit den Erfolgreichen immer etwas mühsamer als mit denen, die für jeden Flügelschlag des Schicksals dankbar sind.

Aber ich glaube hier sagen zu können, dass wir sicher einmal gute Neusser werden, wenn man uns in dieser alten Stadt als Norfer leben lässt." Im Grunde ist damit auch das Engagement von Waltraud Beyen gut beschrieben. Die Stadtverordnete setzt sich seit Jahren für ihren Stadtteil ein, wird während der Führung immer wieder von Passanten gegrüßt und angesprochen. Neben der historischen Entwicklung von Derikum zeigt sie Kindergärten und Schulen - schließlich ist es der kinderreichste Neusser Stadtteil. Auch Gotteshäuser gibt es in Derikum: Eine Neuapostolische und eine katholische Kirche sowie eine Moschee.

Das nahe Gewerbegebiet ist mit ein Grund für die bunte Mischung des Stadtteils. Beyen verdeutlicht das am Beispiel einer Hauserreihe. "Dort wohnt eine deutsche Familie, daneben eine italienische, eine aus dem Iran, eine aus dem Irak, daneben Türken und Russen", erzählt sie. "Derikum musste immer eine enorme Integrationsleistung erbringen", sagt Beyen. Das sei zwar mit vielen Problemen verbunden, aber doch erfolgreich gewesen. Auch deshalb geht es am Ende in die Moschee an der Schellbergstraße. "Das ist ja wunderschön", staunen die Teilnehmer der Tour beim Blick auf die verzierte Kuppel des Gotteshauses. Einen Tee für die Besucher gibt es ausnahmsweise nicht, schließlich ist gerade Ramadan. Das wird dafür später in einer Gaststätte nachgeholt. Dort gibt es dann auch die Nussecken der Konditorei Wegel - die "Neusser Kanten".

(NGZ)