Stadionviertel: Der sportliche Stadtteil

Stadionviertel: Der sportliche Stadtteil

Das Jahnstadion hat dem Viertel seinen Namen gegeben und sorgt für ein reges sportliches Vereinsleben. Familien schätzen an dem Stadtteil die zentrale Lage: Sie sind schnell in der City, aber ebenso schnell draußen im Grünen.

Wenn Florian Kock zur Arbeit geht, hat er es nicht weit: Der 20-Jährige aus dem Stadionviertel arbeitet bei der TG Neuss, dort macht er eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann. Mit seiner Familie lebt Florian an der Heinsberger Straße, am nördlichen Zipfel des Stadtteils. Das nahe Stadion ist für ihn der große Vorzug des Viertels – obwohl der begeisterte Basketballer für den Sport mittlerweile nach Düsseldorf ausgewichen ist: Er spielt beim FMC Capone in der Regionalliga. "Aber dem Jahnstadion bleibe ich ja durch meinen Job treu", meint der Azubi augenzwinkernd.

Der Namensgeber des Viertels: Das 1924 erbaute Jahnstadion. Foto: woi

Für seine Eltern war es vor allem die zentrale Lage des Viertels, die sie dazu bewog, dorthin zu ziehen. "Wir hätten auch die Möglichkeit gehabt, in Allerheiligen zu bauen", erzählt Mutter Marion Kock. "Aber wir wollten nicht so abseits leben", erzählt die 50-Jährige. Am Stadionviertel schätzt sie die gute Nachbarschaft – "aber eine große Küngelei haben wir hier nicht", stellt sie klar. Dennoch könne man im Grünen leben – und der Stadtwald ist auch nicht weit entfernt. Vater Heiko Kock ist schnell auf der Autobahn, wenn er für die Arbeit in Richtung Düsseldorf fährt, und Tochter Lissa Maria (22) erreicht ihre Ausbildungsstelle in der Innenstadt ebenfalls in nur 15 Minuten – und das zu Fuß. Die gute Infrastruktur zieht viele Familien ins Viertel: Fünf Kindergärten, viele Spielplätze und die Görresschule gehören zum Stadtteil. Nicht zu vergessen die neun Sportvereine, die dem Viertel viel Zusammenhalt bieten.

"Viele unserer Freunde wohnen hier", erzählen die Nesthäkchen Birthe Dorothee (9) und Thorben (12). Die jüngste der Kock-Geschwister wünscht sich unbedingt einen Hund – "mit dem würde ich dann immer durchs Viertel spazieren", meint die Neunjährige.

  • Fotos : Stadtteil-Serie: Wir im Stadionviertel

Vorbei kommen würde sie dann nicht nur an den vielen Sportplätzen, die den Stadtteil prägen, sondern auch am Lukaskrankenhaus, dem größten Arbeitgeber vor Ort. Die Klinik hat dem Stadtteil seinen Zweitnamen gegeben: "Lukasviertel". Direkt um die Ecke befindet sich eine weitere "Sehenswürdigkeit": Das Marianum. In dem ehemaligen Erzbischöflichen Collegium werden mittlerweile Eigentumswohnungen gebaut. Im anliegenden Park entstehen Neubauten – die meisten davon hat der Neusser Bauverein bereits verkauft.

Viele Alteingesessene im Viertel sind allerdings wenig erfreut darüber, dass im Park des Marianums massiv gebaut wird. "Viele Grünflächen sind in den vergangenen Jahren verschwunden", hat Heiko Kock beobachtet. "Jede Baulücke wird sofort geschlossen, weil sich damit Geld verdienen lässt." Der Familienvater hofft darauf, dass zumindest der dichte Baumbestand an den Bahngleisen erhalten bleibt. Die Gleise begrenzen das Stadionviertel im Norden und Westen – "und ohne die Bäume als Puffer wäre die Lärmbelastung größer", sagt Ehefrau Marion Kock. Die Familie hat sich an das Rattern der Züge gewöhnt. Zwar würden sie eine Lärmschutzwand begrüßen, aber auch ohne werden sie dem Stadtteil treu bleiben: "Wir wollen hier alt werden", sagt Mutter Marion. Und auch ihre ältesten Kinder wollen nicht weg: "Wenn ich ausziehe, bleibe ich im Viertel", ist Sohn Florian überzeugt.

(NGZ)
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