Neuss: Der Schattenmann des Bürgermeisters

Neuss : Der Schattenmann des Bürgermeisters

Wenn im alten Ägypten der Pharao starb, folgten ihm seine engsten Mitarbeiter in die Pyramide. Heute dürfen sie gehen - vorzeitig sogar. Karl-Heinz Biskupek macht davon Gebrauch. Heute hat der Büroleiter des Bürgermeisters Schluss - und noch ein Leben vor sich.

Karl-Heinz Biskupek hat keine Lust, seine letzten Dienstjahre "in irgendeinem Kohlenkeller zu verbringen". Aber dort hätte er landen können. Denn egal wer im September als Nachfolger von Herbert Napp zum Bürgermeister gewählt wird, er hat sicher wenig Verwendung für Napps Schattenmann. Also schnürt Biskupek sein Bündel und geht in die Altersteilzeit. Mit der Ratssitzung heute endet die Dienstzeit des 60-jährige Neusser.

43 Jahre war Biskupek bei der Stadt beschäftigt. Eine lange Zeit. Erst recht für jemanden, der noch heute von sich sagt: "Ich bin vollkommen verkehrt hier." Aber Biskupek, der ursprünglich den Sport zum Beruf machen wollte, hat im Rathaus eine Karriere gemacht. Eine, die jungen Menschen, die wie er "nur" das Zeugnis der mittleren Reife in der Tasche haben, heute versperrt ist: vom Verwaltungspraktikanten zum Dezernenten.

Die Jahre1983 bis 1987 im Amt für Wirtschaftsförderung nennt Biskupek noch heute seine schönsten. Doch die letzten elf waren die speziellsten. Denn als "Leiter Büro Bürgermeister" ist niemand näher dran an der "Macht" - ohne an ihr wirklich teilzuhaben. Das wusste Biskupek, als er diese Aufgabe 2004 übernahm: "Wer das macht, dem muss klar sein, dass er nie mehr eigene ,Babies' auf die Welt bringt", sagt er. Projekte also, die mit dem eigenen Namen verbunden sind. So wie Firmenansiedlungen zum Beispiel, die ihm im Amt für Wirtschaftsförderung gelangen. Oder die Überführung des Stadtreinigungsamtes in eine GmbH, die er 1991 als Amtsleiter meisterte, um diese SRN nur Jahre später mit der AWL zu fusionieren und auch das neue Abfallwirtschaftsunternehmen als Geschäftsführer zu managen. Das war auch die Zeit, als ihm lukrative Angebote aus der Wirtschaft gemacht wurden. Doch Biskupek blieb. Er hatte sich längst auch intern für weitere Führungsaufgaben empfohlen.

Der Wechsel ins "Büro Bürgermeister" war ein Schritt zurück, kein Rückschritt. Aber nun stand der Beamte in der zweiten Reihe. War Antenne des Bürgermeisters, Abräumer, Vorbereiter, Begleiter und "Ohrenzeuge" bei wichtigen Verhandlungen und nicht selten auch Korrektiv des Verwaltungschefs. Aber das blieb intern. "Wenn ich meinen Job richtig mache, komme ich öffentlich nicht vor", sagt Biskupek. Loyalität und Diskretion waren unverzichtbarer Teil seines Jobs - und seine Dienstauffassung.

Was ihm die Arbeit leicht machte, waren Napps Elefanten-Gedächtnis ("Wenn man ihm etwas nur einmal vorträgt, behält er das"), jedes Fehlen cholerischer Wesenszüge auch nach Niederlagen und Verlässlichkeit. Napp und sein Schattenmann hatten einen Deal: Montags bis freitags stand Biskupek falls nötig jederzeit zur Verfügung, am Wochenende aber wollte er Ruhe haben. Daran habe sich Napp immer gehalten.

(NGZ)