Neuss: Der Rheinlandtaler schmückt den Europäer Hans Süssmuth

Neuss : Der Rheinlandtaler schmückt den Europäer Hans Süssmuth

Neusser Wissenschaftler wurde gestern ausgezeichnet. Landrat und Bürgermeister gratulieren.

Hans Süssmuth (82) gehört zu jenen Menschen, die frei denken und sich in ihrer (Forschungs-)Arbeit von keiner Grenze aufhalten lassen. Für sein Lebenswerk erhielt der Wissenschaftler, der bis 1980 Dekan der Pädagogischen Hochschule (PH) Neuss war, gestern den Rheinlandtaler, mit dem der Landschaftsverband Rheinland (LVR) regelmäßig Persönlichkeiten auszeichnet, die sich unter anderem um das "multinationale Zusammenleben zwischen einzelnen Ethnien im Rheinland" verdient gemacht haben. Dies sei ein "überregionaler, geradezu europäischer Ansatz", befand Anne Henk-Hollstein in ihrer Laudatio, der in der Verleihung des Rheinlandtalers an Hans Süssmuth seinen Niederschlag finde.

Mehr als vierzig Jahren lebt Hans Süssmuth mit seiner Frau Rita, der früheren Bundestagspräsidentin, im Neusser Dreikönigenviertel. So waren auch viele persönliche Freunde aus dem Rotary Club Neuss sowie aus dem Schützenlust-Zug "Novesen" gekommen, als Anne Henk-Hollstein, die stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, die Laudatio auf Hans Süssmuth hielt und die Medaille an ihn übergab.

In einer globalen Welt, bestätige sich, was mit Robert Schuman einer der Gründerväter Europas bereits gesagt habe: "Der Mensch muss Heimat haben." Was Landrat Hans-Jürgen Petrauschke als Gastgeber im Kreishaus an den Anfang stellte, bestätigte sich im Verlauf der Feierstunde: Mit dem Neusser Hans Süssmuth zeichnete der Landschaftsverband Rheinland (LVR) einen Wissenschaftler aus, der in Westfalen geboren wurde, in Neuss seine Heimat fand, dort das Rheinische lernte und der als engagierter Europäer vor allem Deutschlands östliche Nachbarn in seine Arbeit einbindet. In der 1989 gegründeten Adalbert-Stiftung Krefeld haben Süssmuth und seine Mitstreiter das Instrument gefunden, die Bedeutung der Mitteleuropastaaten Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn "für die friedliche Revolution und die nachfolgenden Transformationsprozesse öffentlich bewusst zu machen, für nachfolgende Generationen zu verorten und aus diesen Jahrhundertereignissen für die Zukunft zu lernen" - wie es Anne Henk-Hollstein in ihrer philosophischen Laudatio formulierte.

Diese Arbeit ist für Süssmuth nicht abgeschlossen. Das wurde in seiner Entgegnung deutlich. Sie geriet zu einem flammenden Plädoyer für die europäische Idee, die gerade in einer Zeit Krise, in der sich Regierungen dem konstruktiven Dialog verweigern, durch Bewegungen wie Pulse of Europe, durch Initiativen der Bürger und durch Stiftungen im Dialog gestärkt werden müsse. Am Ende war klar: Hans Süssmuth wird auch über das 83. Lebensjahr hinaus zu denen gehören, die sich engagiert für Europa einsetzen, weil sie für ihre "realistische Hoffnungsvision" streiten. Zu den ersten Gratulanten gehörten Ehefrau Rita Süssmuth und Bürgermeister Reiner Breuer. Landrat Petrauschke erinnerte daran, dass Hans Süssmuth Jurymitglied des "Journalistenpreises Pro Ehrenamt - Hermann Wilhelm Thywissen-Preis" war und im Verein Forum Archiv und Geschichte Neuss mitwirkte.

(-lue)