Unser Rhein: Der Rhein galt schon den Römern als Grenze

Unser Rhein : Der Rhein galt schon den Römern als Grenze

Der Wachturm in Grimlinghausen erinnert an Zeiten, als der Rhein als Grenze genutzt wurde. Auch danach blieb er eine Barriere.

Mit hellen Fackeln bewaffnet patrouillieren die Römer am westlichen Rheinufer entlang und beäugen das rechtsrheinische Ufer, das von den Germanen besetzt ist. Denn sie müssen ihre Provinz "Germania inferior" vor feindlichen Übergriffen schützen. Dafür sind rund 5000 Soldaten im ersten Jahrhundert nach Christus in Neuss stationiert.

Der Rhein als Grenze - schon vor Jahrhunderten hat der Fluss nicht nur die Landschaft geteilt, sondern diente auch den Menschen als natürliche Barriere, die nicht nur zu Kriegszeiten eine Rolle spielte. Er war manchem Neusser auch ein wirtschaftliches Hemmnis, weil die andere Rheinseite nur schwer erreichbar war, zudem entwickelte sich durch diese natürliche Grenze auch die Abgrenzung zwischen den Städten Neuss und Düsseldorf.

Die römischen Zeiten können Spaziergänger am Reckberg in Grimlinghausen nachempfinden. Dort steht ein rekonstruierter römischer Wachturm, der als Aussichtsstation und Grenzpunkt diente. "Im Süden und Südwesten Deutschlands, damals also Obergermanien, gab es eine richtige Grenzsicherung, den obergermanisch-rätischen Limes", erklärt der Neusser Historiker Karl Kuhl.

Diese bestanden aus Steinmauern oder Palisaden aus Holz, denn dort gab es keinen Grenzfluss. Ab Rheinbrohl - dort begann auf der linksrheinischen Seite die römische Provinz Niedergermanien - löste das strömende Gewässer des Rheins die festen Mauern ab. Von dort aus reihten sich bis zur Nordsee etliche Kastelle und Wachtürme. "Die Türme standen immer zueinander in Sichtweite, um einander Signale zu geben" erklärt der 75-Jährige.

Der bekannte Neusser Archäologe Constantin Koenen nahm Anfang des 20. Jahrhunderts eine systematische Grabung am Reckberg vor, der eine halbe Stunde Fußweg vom römischen Legionslager entfernt lag. "Dort fand Koenen die Fundamente eines Kastells von fast quadratischen Grundrissen", erklärt Kuhl, der pensionierter Schulleiter ist. Auch die damalige Existenz einer römischen Villa mit Brunnen und Wasserleitung wird in der Nähe des Wachturms, der nah am Rheinufer lag, vermutet. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die "Castra Novaesia" neben historischen Städten wie Xanten, Köln und Bonn zu den wichtigsten Lager- und Kastellorten der Römerzeit gehörte.

Etliche Jahrhunderte später war der Rhein für die Bürger in Grimlinghausen eine wirtschaftliche Grenze. Dem 1901 nach Hippelank berufenen Pfarrer Johannes Heß fiel die ärmliche Lage des Dorfes auf, dessen Bewohner Landwirte, Handwerker und Arbeiter waren. Mit einer Denkschrift, in der er eine Fährverbindung zwischen Grimlinghausen und Düsseldorf anregte, wandte er sich an die Regierung. Mit der Dampffähre sollten die Dorfbewohner ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse in Düsseldorf auf dem Markt bringen können. Tatsächlich wurde eine damals als modern geltende Dampffähre eingerichtet - jedoch 1922 aus wirtschaftlichen Gründen wieder aufgegeben.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs fungierte der Rhein wieder als natürliche Grenze. Die Nationalsozialisten wollten durch Sprengung der Rheinbrücken den Vormarsch der alliierten Truppen stoppen. So wurden in der Nacht zum 3. März 1945 die Oberkasseler Brücke, die Eisenbahnbrücke Neuss-Düsseldorf und die Südbrücke in die Luft gesprengt. "Doch die Zerstörung der Rheinübergänge blieb ohne Bedeutung für den Untergang Hitler-Deutschlands", sagt Karl Kuhl.

Obwohl der Rhein die Rheinländer miteinander verbindet, ist er auch heute noch eine Grenze. Schließlich werfen sich die Menschen gerne vor, der jeweils andere lebe auf der "Schäl Sick". Jedoch erlebt der Zwist seine Höhepunkte heute meist nur noch im Brauchtum. Da heißt es dann entweder "Helau!" oder "Alaaf!"

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(NGZ)