1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: Der „Nüsser Ovend“ macht wieder Spaß

Neuss : Der „Nüsser Ovend“ macht wieder Spaß

Das Ziel, den Nüsser Ovend zu modernisieren, ist geglückt. Es war Karneval mit Witz und Charme.

Dem Nüsser Ovend eine neue Richtung zu geben, ihn frischer und attraktiver zu machen, das war das Ziel, dass sich Herbert Goeres, stellvertretender Präsident der Brauchtums- und Karnevalsgruppe (BKG), für den Nüsser Ovend gesetzt hatte. Und er hat es geschafft: Das Programm war eine Mischung aus Karneval und Lokalkolorit, Musik und Show, Büttenreden und Comedy.

Bei der anschließenden Party im Foyer der Stadthalle war sich das Publikum einig: Nach der — von vielen als Pleite empfundenen — Vorstellung 2012 war dies einer der besten Nüsser Ovende der letzten Jahre. Dabei hatte der Abend für die Zuschauer etwas enttäuschend begonnen: Das Bühnenbild, passend zum Motto "Brot und Spiele" gestaltet, löste keine große Begeisterung aus.

Es wirkte zusammengewürfelt, so als hätte das Motto bis auf die Verweise aufs Romaneum und den Qurinus von Neuss keine weiteren Assoziationen geweckt. Was sich — das muss zur Verteidigung gesagt werden — auch im Publikum widerspiegelte. Denn der Saal war voll besetzt mit Römern in Tuniken und mit goldenem Haarkränzen.

Das Motto anders und mit Witz zu interpretieren, war also nicht nur den Bühnenbildnern schwergefallen. Den Anfang im Programm machte in diesem Jahr Prologius Christoph Kleinau, der als NGZ-Redakteur genau weiß, wie er den Finger in die Wunden von Politik und Verwaltung legen kann. Seinem humorvollen Auftakt sollte eigentlich Musik folgen — doch was passierte, war die Panne des Abends.

Die Band "De Altreucher" stand auf der Bühne, doch auftreten konnte sie nicht — die Elektrik versagte, was viele Zuschauer ans Vorjahr erinnerte, wo der Nüsser Ovend wegen vieler Verzögerungen enttäuscht hatte. Ein Gutes hatte die Panne dennoch: Die kölschen Musiker von "Confetti", die den gesamten Nüsser Ovend begleiteten, zeigten, dass es doch sinnvoll sein kann, statt einer Blaskapelle (so war es im Vorjahr) eine Stimmungsband zu engagieren.

So blieb es unterhaltsam, wenn es auch den "Altreuchern" im Anschluss nicht ganz leicht fiel, den Saal zum Schunkeln zu bringen. Beeindruckend waren die erneut gebuchten "Sandhasen", die mit ihren Hebefiguren zeigten, das sie keine "Tanzhäschen", sondern Akrobaten sind.

Abgelöst wurden sie von den "Fantastic Fanfares", die noch einmal Stimmung in den Saal brachten, bevor — und das gilt es vielleicht, zu überdenken — gleich zwei Redner hintereinander auftraten: Hoppeditz Jürgen Schmitz, dessen hoher Anspruch, im Karneval gegen rechte Gewalt zu polemisieren, unfreiwillig komisch wirkte ("eins weiß ich genau, alle hier sind gegen rechts, ons Nüss, helau").

Der darauf folgende Dieter Nehr, der in diesem Jahr den Rekeliser-Orden erhalten hat und dabei so manchem auf den Schlips getreten ist, hielt es kurz: Er erzählte eine lustige Geschichte von der "Bütt" — und meinte damit die Tradition des samstäglichen Waschtags, die er humorvoll sezierte.

Es folgten "De Räuber" , die nicht nur Stimmung in den Saal, sondern auch Neusser Politiker auf die Bühne brachten. "Hermann, dass du so beweglich bist, hätte ich nicht gedacht", rief Räuber-Sänger Karl-Heinz Brand. Denn Hermann Gröhe, dem bei Liebesliedern auch humorvoll geraten wurde, nun an "Angie" zu denken, erwies sich als bester Tänzer der Herrenriege, zu der auch Thomas Nickel und Reiner Breuer gehörten. Ein Highlight war sicherlich der Auftritt von Sabine Leuker, die nach der Show der "BKG Dancing Girls" auftrat.

Dass sie wieder beim Nüsser Ovend dabei war, tat der Show sichtlich gut — keine nimmt die Neusser so scharf aufs Korn wie sie. Auch Comedian Knacki Deuser überzeugte, wenn nicht mit lokalem, dann aber doch mit rheinischem Humor. Die Mädels-Band "Ech lecker" war ein schönes Plus am Schluss — wenn es auch gar nicht nötig gewesen wäre, die Zuschauer mit den kölschen Samba-Klängen dieser Band noch einmal "aufzuwecken". Denn langweilig war dieser "Nüsser Ovend" sicher nicht.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Karneval in Neuss 2013: Bilder vom "Nüsser Ovend"

(rl)