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Der Neusser Hans Jürgen Kolvenbach hat zwei Bücher veröffentlicht, eins mit Gedichten und Erzählungen und einen Roman.

Buchveröffentlichungen in Neuss : Von verspielter Liebe und anderen Identitätsfragen

Hans Jürgen Kolvenbach hat gleich zwei Bücher veröffentlicht: Die Cover zieren Malereien seiner Frau Anne Kolvenbach. Es ist nicht die erste Zusammenarbeit des Paares.

Wenn Hans Jürgen Kolvenbach von einem Unfall auf dem Supermarktparkplatz schreibt, einer Dienstreise zu Michael Ende oder einem sehnsüchtig wartenden Mann, geht es dabei immer um die Liebe – und die Frage: Finden die Menschen ihre Identität durch das Zusammenschließen mit anderen Menschen?

Zur Verdeutlichung zitiert Kolvenbach eine Stelle aus dem Buch „The hate u give“, das 2018 den Kinder-und Jugendpreis bekommen hat. Dort sagt die 16-jährige Protagonistin: „Ich vermisse uns.” „Das ist ein großartiger Satz, sich selbst kann man gar nicht vermissen”, sagt Kolvenbach, macht eine kurze Pause und verweist dann auf Platons Gastmahl, in dem der Komödiendichter Aristophanes die Entstehung der Liebe deutet. Das klingt dann etwa so: Früher waren die Menschen kugelförmig, in ihrem Übermut wollten sie sich einen Weg zum Himmel bahnen und die Götter angreifen. Zeus beriet mit anderen Göttern, wie darauf zu reagieren sei und die Idee war geboren, die Menschen zu halbieren – auf diese Weise würden sie doppelt so viele Opfer bringen können und andererseits seien sie damit beschäftigt, ihren anderen Teil zu suchen und hätten keine Zeit mehr für Revolte.

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„Darum geht es in meinen Texten, gelingt es den Menschen, den zusammengehörigen Menschenteil wieder zu gewinnen oder misslingt es?”, erklärt Kolvenbach und verrät: „Beides passiert.” Zwölf Gedichte und acht Erzählungen aus zwei Jahrzehnten hat er nun in einem Band unter dem Titel „Verspielte Liebe” veröffentlicht – verspielte Liebe meint dabei sowohl die erfüllte Form des Liebesglücks, als auch eine Liebe, die wie Geld verspielt wird. Aber auch einen Roman mit dem Titel „Als ein Anderer leben” hat er herausgebracht – publiziert wurden beide in dem Selfpublisher-Verlag Tredition. Darin sieht Kolvenbach gleich mehrere Vorteile: „In keinem anderen Verlag hätte ich wohl eine Mischung aus Erzählungen und Lyrik publizieren können”, sagt er. Auch schreibe er nicht für einen bestimmten Adressatenkreis, sondern ausschließlich nach seiner Phantasie. Das sei in der Regel keine leichte Kost: „Ich habe schlangenhafte Sätze, ganz tolle Hypotaxen”, sagt er. Besonders freut ihn aber, dass er so die Cover mit Werken seiner Frau, der Künstlerin Anne Kolvenbach, gestalten konnte. Gemeinsam hätten sie die Bilder ausgesucht: Es ist nicht das erste Mal, dass sich Anne und Hans Jürgen Kolvenbach in ihrem Schaffen ergänzen. So habe sie ihren Mann gebeten, zu ihren Bildern Gedichte zu schreiben, das Ergebnis ist in dem Katalog „Parallel“ zu sehen, der noch heute in der Galerie Splettstößer erworben werden kann.

Hans Jürgen Kolvenbach machte eine Lehre zum Bankkaufmann, war Lehrer für Deutsch- und Philosophie und widmete sich der Regie- und Theaterarbeit. Die Schreiblust habe ihn früh gepackt, schon in den 1990er Jahren wurden Texte von ihm in der Sendung von Roland H. Wiegenstein im WDR vorgestellt. 

Nicht nur in der „Verspielten Liebe” auch in seinem Roman „Als ein Anderer leben” geht es mitunter um Identitätsfragen. Er spielt 1982 in Kalabrien. Ein Nobile hält einen an den Strand gespülten Touristen für ein Geschenk der Mutter Gottes: Ein Jahr zuvor hat er nämlich seinen Sohn umgebracht und glaubt, ihn nun wiedergefunden zu haben. Er lässt den jungen Mann in eine Villa nach Paris bringen, die sich bald als Goldener Käfig herausstellt. Gepflegt wird er von den Zwillingstöchtern des Nobiles, die den Irrtum des Vaters sogleich erkennen: Während die eine zu ihm hält, möchte die andere ihn loswerden. Einerseits fühlt er sich bedroht, andererseits beginnt er sich bei Joggingrunden durch Paris die Frage zu stellen: Wer bin ich gewesen? Und noch eine Besonderheit gibt es zu entdecken: Alle Orte, die dort genannt werden, gibt es genauso in der Wirklichkeit.

Aktuell arbeitet Kolvenbach an seinem dritten Roman – auch eine Bildidee für das Cover hat er schon.