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Neuss: Der Musikvermittler

Neuss : Der Musikvermittler

Der Musikwissenschaftler und Journalist Matthias Corvin ist Nachfolger von Professor Wilhelm Schepping und schreibt die Programme für die Zeughauskonzerte. Begonnen hat er mit Konzertkritiken für unsere Zeitung.

An eine Laufbahn als Musiker hat Matthias Corvin nur kurz gedacht. Als er merkte, wie schön es ist, Klavier zu spielen, war es für den Schüler an der Düsseldorfer Clara-Schumann-Musikschule zu spät. "Ich hatte anfangs zu wenig geübt", gesteht der 40-Jährige, "und dann nützte es nicht mehr, dass ich anfing, wie verrückt zu üben." Aus Corvin wurde ein promovierter Musikwissenschaftler – aber es hätte auch ein Kunstgeschichtler dabei rauskommen können. Denn beides stand auf der Interessenliste des Abiturienten am Goethe-Gymnasium noch ganz oben, und beide Fächer hat er dann auch in Bonn studiert.

Letzten Endes war es dann die Bindung an einen Musikprofessor, der sein Doktorvater wurde und somit dafür sorgte, dass Corvin sich ganz der Musikwissenschaft verschrieb. Nicht nur als Forschender, sondern auch als Vermittler. Als Journalist in Köln, wobei er seine ersten Musikkritiken 1997 für unsere Zeitung in Düsseldorf schrieb, vor allem aber als Musikdramaturg, der Programme schreibt und Konzerteinführungen macht. "Mir geht es darum, eine schlüssige Geschichte zu erzählen und musikwissenschaftlich gut zu verpacken", erklärt er.

Über diese Arbeit hatte er auch Kontakt nach Neuss bekommen, schrieb schon vor einigen Jahren für die Deutsche Kammerakademie, hat nun mit Beginn dieser Saison die Nachfolge von Professor Wilhelm Schepping angetreten und schreibt die Programme für die Zeughauskonzerte. Und da er sich mit dem Musikjournalisten Carsten Dürer auch die Einführungen vor den Konzerten teilt, hat er das Neusser Publikum schon gut kennengelernt. "Es ist sehr fachkundig", sagt er und lobt, dass es zudem sehr "offen für Neues" ist, selbst zu Konzerten mit Stücken von unbekannteren Komponisten in Scharen kommt – wie jüngst zum Gastspiel des Freiburger BarockConsort mit der Musik von Johann Heinrich Schmelzer. "Davon können andere nur träumen."

Dass man sich im Zeughaus auch "gerne vorab informieren lässt", ist Herausforderung und Reiz zugleich. Denn oberstes Ziel für Corvin ist es, "den Fachmann nicht zu langweilen und den Laien zu interessieren". Dafür sucht er jedes Mal die Mitte zwischen der Einordnung der Musik in ihren historischen Kontext und der musikwissenschaftlichen Bedeutung: "Ich will von allem etwas einbringen – selbst, wenn es versteckt ist." Für ihn ist seine Arbeit aber auch Teil eines Bildungsauftrages, "deswegen darf es auch nicht zu anekdotisch, zu banal werden".

(NGZ)