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Serie Ngz-Adventskalender: Der Mann hinter der Kirchen-Tür

Serie Ngz-Adventskalender : Der Mann hinter der Kirchen-Tür

So oft wie Willibert Reck hat niemand das Portal zur St. Stephanus-Kirche in Grefrath geöffnet. Er ist die gute Seele der Kirche.

Eine massive dunkelbraune Doppeltür aus Holz ist das Portal zur St. Stephanus-Kirche in Grefrath. Über ihr ist der Namenspatron des Bauwerkes in Stein gemeißelt. Was sich hinter dem Eingang des Gotteshauses befindet, weiß niemand so gut wie Willibert Reck. Denn es gibt wohl keinen, der so oft durch diese Tür gegangen ist wie er. Reck ist der Küster dieser katholischen Kirche und seit sieben Jahren die "gute Seele" der St. Stephanus-Gemeinde. "Die Arbeit erfüllt mich", sagt der 67-Jährige. Er ist da, wenn die Kirche noch ganz leer ist, natürlich auch zu den Gottesdienstzeiten, und auch, wenn alle längst wieder nach Hause gegangen sind. Reck ist sozusagen "der Mann hinter den Kulissen".

Zu seinen Aufgaben gehört die Pflege der Kirche, die Instandhaltung der liturgischen Geräte und die Vor- und Nachbereitung des Gottesdienstes. Was andere abschrecken würde, das liebt der Küster: die Stille und die Einsamkeit. Wenn er die Tür hinter sich schließt, sperrt er einen Moment lang die Hektik aus. "Die Arbeiten in der Kirche sind ein Ruhepol für mich", erzählt er. "Hier kann ich abschalten, alles andere für einen Moment vergessen." Es vergeht kein Tag, an dem Reck nicht morgens und abends seine "Kontrollrunden" geht. Dann prüft er nach, ob alles in Ordnung ist oder etwas ausgebessert werden muss. Schon seit 27 Jahren arbeitet der 69-jährige Rentner in der St. Stephanus-Gemeinde. Zuerst im Pfarrgemeinderat, seit neun Jahren dann als zweiter Vorsitzender des Kirchenvorstands. Als 2005 die Stelle des Küsters frei wurde, war es für ihn Ehrensache, sie zu übernehmen. "Es ist sehr schwer, jemanden für so eine Stelle zu finden", meint Reck. "Man bekommt wenig Geld." Aber der Küster der St. Stephanus-Gemeinde liebt seinen Job. Als Entschädigung reicht ihm die Gewissheit, die Arbeit gut gemacht zu haben. "Mich freut es, wenn die Leute sich in der Kirche wohlfühlen", sagt er. Der Beruf ist ein Teil seines Lebens, den er nicht missen möchte, denn in der Gemeinde fühlt Reck sich aufgehoben. "Man wächst zusammen", meint er. "Und ist füreinander da."

Immer an der Seite des Küsters ist seine Frau. "Sie unterstützt und motiviert mich", erzählt er schmunzelnd. Besonders stolz ist der 67-Jährige auf seine Enkel: "Ich habe vier tolle Enkel, zwei davon sind Messdiener." Aber zum Glück habe die St. Stephanus-Gemeinde sowieso wenig Nachwuchssorgen. "Im Vergleich zu den anderen Kirchen können wir froh sein", erzählt Reck. "Wir haben sehr engagierte junge Menschen, die uns helfen."

Worauf sich der Küster derzeit schon besonders freut, ist das Jubiläum der St. Stephanus-Kirche, das in zwei Jahren gefeiert wird. Dann wird die Gemeinde 150 Jahre alt. Im Laufe der Jahre hat sich viel getan: Der kunstvoll bemalte Innenraum der Kirche wurde aus unbekanntem Grund weiß überstrichen, während des Zweiten Weltkrieges verschwanden die bunten Fenstergläser. In mehreren Renovierungen wurden Inventar und Innenraum des Gotteshauses aufwendig restauriert. Willibert Reck liebt "seine" Kirche. "Ich glaube, wir können zu Recht stolz auf ein so schönes Gotteshaus sein", meint er. Und damit hat er völlig Recht: Die bunten Fenster, der prachtvolle Altarraum, die vielen Details, die es in jeder Ecke der Kirche zu entdecken gibt. Ein guter Grund, mal öfter die Tür zu diesem Gotteshaus aufzustoßen.

(NGZ/ac)