Neuss: Der letzte SPD-Beigeordnete

Neuss : Der letzte SPD-Beigeordnete

Ernst-Horst Goldammer wird nächste Woche nach 22 Jahren in städtischen Diensten pensioniert, sein Dezernat. Über einen SPD-Mann ohne Parteikarriere, der früh der Faszination des "Kosmos Rathaus" erlag

Heute wird Ernst-Horst Goldammer 65 Jahre alt, kommenden Donnerstag wird er verabschiedet und am Freitag im Rat nach 22 Jahren als Beigeordneter in Neuss entpflichtet. Mit dem Ausscheiden des einzigen Dezernenten mit SPD-Parteibuch aus dem Verwaltungsvorstand fällt auch dessen Stelle weg. Die Ämter des Dezernats in der Stadtverwaltung, das Goldammer geführt hat, werden anderen Fachbereichen zugeschlagen. Ein Verwaltungsvorgang, mit dem Zwang zum Sparen begründet und vom Rat beschlossen. Auch mit Stimmen der SPD.

Goldammer bei seiner Vereidigung im Jahr 1989. Foto: Maes

Deren Haltung in dieser Debatte und die, so wörtlich, anschließende "Grabesruhe" in der Partei kann Goldammer nicht nachvollziehen. Denn dass die mit dem Ausscheiden von Horst Ferfers Ende 2012 nächste frei werdende Stelle in der städtischen Führungsriege mit einem Personalvorschlag der SPD neu besetzt wird, ist für ihn längst noch nicht abgemacht. Das Beharren darauf, der CDU in der Frage der verkaufsoffenen Sonntage unbedingt eine Abstimmungsniederlage beibringen zu wollen, habe das Klima belastet, analysiert er einen aus seiner Sicht taktischen Fehler der SPD-Fraktion. Und, so argumentiert er aus CDU-Sicht, "braucht man die Grünen vielleicht nicht dringender?"

Äußerungen zur Politik seiner Partei waren aus Goldammers Mund selten zu hören. Ja, er teilt die Werte und Prinzipien der SPD, der er 1981 unter dem Eindruck von Bundeskanzler Helmut Schmidts Haltung zum Nato-Doppelbeschluss beitrat.

Aber eine politische Karriere machte Goldammer nicht. Nicht in der Partei, nicht im Rathaus. Die Aufforderung der SPD, als Bürgermeisterkandidat anzutreten, blieb aus. Gänzlich abgeneigt wäre Goldammer nicht gewesen.

Als Beigeordneter aber trennte Goldammer seit seiner Wahl 1989 und bis in die Gegenwart zwischen Amt und Partei. Nie war er ein U-Boot seiner Partei im Rathaus, nie hätte er daran gedacht, einen Beschluss des CDU-dominierten Rates nicht umzusetzen. Dass Goldammer, als Bundeswehr-Reservist in der Marine bis zum Fregattenkapitän aufgestiegen, trotzdem 2002 in schwere See geriet, hatte andere Gründe. Bürgermeister Herbert Napp wollte dem SPD-Mann die Alleinverantwortung für die Stadtentwässerung zuschieben — vergeblich. Goldammer klagte und bekam vom Oberverwaltungsgericht recht. Das Verhältnis zu seinem Chef habe dieser Streit nicht belastet, sagt er heute. Man habe eine unterschiedliche Rechtsauffassung geklärt. "Die Freiheiten, die man als Dezernent haben muss, hatte ich."

Dass er eine Karriere in der Kommunalverwaltung machen würde, war dem Abiturienten Goldammer nicht klar. Schiffsbauingenieur gab er in der Abi-Zeitung als Berufswunsch an und ging, seiner noch immer lebendigen Faszination für das Meer folgend, als Wehrdienstleistender zur Marine. Erst als der Jurist mit erstem Staatsexamen als Referendar zur Stadt Dormagen kam, erlag er der Faszination, die der "Kosmos Rathaus", wo so viele Menschen unterschiedlichster Disziplinen zusammenarbeiten, bis heute auf ihn ausübt. Als "kommunales Frontschwein", wirkte Goldammer 22 Jahre im Neusser Rathaus. Nicht immer mit den gleichen Zuständigkeiten.

Zuletzt verantwortete er die Arbeit des Bürger- und Ordnungsamtes, des Amtes für Brandschutz und des Rechtsamtes. Projekte mit Außenwirkung wie die Deicherhöhung in Grimlinghausen, die er als Dezernent 1994 durchgeboxt hatte, oder die Euroga 2000plus-Projekte waren damit nicht mehr verbunden. "Innenminister" hält Goldammer deshalb für die treffendste Bezeichnung seiner Aufgabe.

Und in seiner Amtsführung sieht Goldammer sich eher auf der Linie eines Fritz Behrens oder eines Thomas de Maiziere: still, unaufgeregt und effektiv.

(NGZ)
Mehr von RP ONLINE