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Neuss: Der Landgard-Chef geht

Neuss : Der Landgard-Chef geht

1973 begann Wolfgang Degenhardt als Vorstand bei der Niederrheinischen Blumen-Vermarktung (NBV) im Hammfeld. Jetzt übergibt er als Chef des Landgard-Aufsichtsrates einen Konzern mit zwei Milliarden Euro Umsatz.

1973: Willy Brandt war Bundeskanzler und in Neuss wurden noch täglich Schnittblumen versteigert. Damals stieg Wolfgang Degenhardt, 28 Jahre jung, als Vorstand der Niederrheinischen Blumenvermarktung (NBV) ein. Damit war der Architekt an Bord, der aus der etwas betulichen Genossenschaft mit Sitz am Pfauenhof im Hammfeld den internationalen Konzern Landgard mit zwei Milliarden Umsatz formte. Eine Erfolgsgeschichte: 3500 Mitarbeiter, 3000 Mitglieder und 25 000 Kunden an 40 Standorten. Degenhardt übergibt ein Unternehmen der großen Zahlen. Denn jetzt ist Schluss für den Blumenzwiebelzüchter. Aus Altersgründen kandidierte er nicht mehr für den Landgard-Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender er war.

Wolfgang Degenhardt (67) kann damit leben, dass sein Abschied von der Öffentlichkeit fast unbemerkt über die Bühne ging. Landgard, der Großvermarkter von Blumen, Obst und Gemüse, schrieb zuletzt rote Zahlen. Die finanziellen Schwierigkeiten bestimmten den Tenor der Schlagzeilen; mit Henning Schmidt musste ein Vorstand gehen. "Landgard kriegt das wieder hin", zweifelt Degenhardt nicht. Das Unternehmen werde die Krise meistern. Dank starker Substanz, inklusive guter Eigenkapitalquote, könne Landgard ein schlechtes Geschäftsjahr verkraften. Wolfgang Degenhardt, der in den letzten Wochen seiner Amtszeit noch die Notbremse zog und die Weichen für die Zukunft stellte, ist jetzt nicht mehr mit im Boot. Derzeit erholt er sich auf Mallorca. Beruflich bleibt er im Familienbetrieb aktiv, den er in dritter Generation führt, in dem aber auch schon seine Kinder und Schwiegerkinder längst Verantwortung übernommen haben, und auch die fünfte Generation wächst bereits heran. Mehr als hundert Jahre züchten die Degenhardts auf weit über 300 Hektar Land Zig-Millionen Blumenzwiebeln in Gruissem – und seit 1990 auch wieder am Stammsitz in Schwaneberg auf der Magdeburger Börde. "Wir hätten es viel schwerer, wenn wir nicht durch eine so gut funktionierende Vermarktung unterstützt würden", sagte Degenhardt vor ein paar Jahren in einer Festansprache.

Die Bedeutung einer gemeinsamen Vermarktung der Gartenbauprodukte hatte seine Familie schon früh erkannt. So engagierte sich Vater Ernst Degenhardt 1953 bei der NBV, die eine ehemalige Viehhalle am Pfauenhof übernahm und dort mit der Versteigerung von Schnittblumen begann. Aus den bescheidenen Anfängen in Neuss wurde der Branchenführer Landgard mit Sitz in Straelen. Der Architekt des Aufstiegs war Wolfgang Degenhardt. An der Hammer Landstraße erinnert ein großer, moderner Cash & Carry-Markt für Großhändler an die Neusser Landgard-Wurzeln.

(NGZ)