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Neuss: Der König aus dem Keller

Neuss : Der König aus dem Keller

Alexander Gritz tritt am Sonntag als Königsbewerber an die Vogelstange – fast vier Monate nach dem Grefrather Schützenfest. Der spät gefundene Bewerber wird deshalb im Pfarrkeller schießen müssen.

Alexander Gritz tritt am Sonntag als Königsbewerber an die Vogelstange — fast vier Monate nach dem Grefrather Schützenfest. Der spät gefundene Bewerber wird deshalb im Pfarrkeller schießen müssen.

Alexander Gritz ist schon jetzt ein Stück Vereinsgeschichte. Er wird nicht nur als Alexander der Spätberufene in der Königschronik der St. Sebastianus-Bruderschaft geführt werden, sondern auch der Schützenkönig sein, der aus dem Keller kommt. Denn weil an den Schützenfesttagen zu Pfingsten kein Bewerber für die Königswürde gefunden werden konnte, wird der 39-Jährige am Sonntag im Keller des Pfarrheimes auf den Vogel anlegen. Mit dem Luftgewehr.

Die Suche nach einem Königsbewerber erstreckte sich über Monate. Sie begann vor dem Schützenfest und wurde auch nach dem offiziellen Meldeschluss fortgesetzt, als der amtierende Schützenkönig Volker Meierhöfer im Festzelt allen Unentschlossenen mit dem Hinweis Mut zu machen versuchte: "Ich lege alle Bücher offen." Jeder sollte sehen können, dass ein Königsjahr niemanden an den Bettelstab bringt. Höhepunkt der Kandidatensuche und der sicher ungewöhnlichste Schritt war ein öffentlicher Aufruf von Präsident Reiner Kievelitz, der mit einem Paket voller Hilfsangebote verbunden wurde. Da war Alexander Gritz aber eigentlich schon entschieden.

Der Grenadier vom Zug "Mer hant jett drupp" legt Wert auf die Feststellung: "Auf mich musste keiner einreden." Seine Frau Monica, mit der der Grefrather schon seit über 16 Jahren zusammen ist, wusste von Anfang an, dass er irgendwann einmal auf den Vogel schießen würde. 2010 wäre es fast dazu gekommen. Und dass er seinen Hut nicht schon Pfingsten in den Ring warf, hing schlicht mit der Tatsache zusammen, dass nicht klar war, wie es bei der West-LB-Angestellten beruflich weitergehen würde.

Inzwischen in die Hessische Landesbank am Standort Düsseldorf übernommen, steht für Monica Gritz und ihre Familie fest, dass sie in Grefrath bleiben werden. Das gab den Ausschlag, zumal auch der Zug, der für einen Bewerber aus den eigenen Reihen ein kleines Startkapital angespart hatte, erst verblüfft und dann begeistert war.

Das Schützenfest ist Geschichte, aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit sollte der König denn doch nicht ermittelt werden. Deswegen griff der Vorstand die Idee von Pfarrer Michael Tewes auf und macht das Vogelschießen zum Programmpunkt des Pfarrfestes. Termin: Sonntag, 16. September, 15 Uhr.

Am Pfarrheim war schon einmal ein König ermittelt worden, denn früher lag nebenan der Kirmesplatz. An einen Königsschuss im Keller aber kann sich Meierhöfer nicht erinnern. Dort haben aber nur der Bewerber, drei "Offizielle" und der designierte Königszug Platz. Das Schießen wird deshalb auf eine Großleinwand nach draußen übertragen. Der Jubel nach dem Königsschuss muss dann allerdings so groß sein, dass er auch "drinnen" zu hören ist.

(NGZ/rl)