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Neuss: Der Klang von Weihnachten

Neuss : Der Klang von Weihnachten

Weihnachten ohne Musik? Undenkbar! Zu allen Zeiten hat die adventliche Atmosphäre, die Geschichte der Geburt Christi Komponisten inspiriert. Viele Werke haben sich gehalten – in der Klassik wie auch in der Popularmusik.

Weihnachten ohne Musik? Undenkbar! Zu allen Zeiten hat die adventliche Atmosphäre, die Geschichte der Geburt Christi Komponisten inspiriert. Viele Werke haben sich gehalten — in der Klassik wie auch in der Popularmusik.

Zu keiner Zeit führt die universelle Sprache der Musik zu so tiefen Empfindungen wie in den Wochen der Advents- und Weihnachtszeit. "Jauchzet, frohlocket" lautet der Inbegriff der Freude über das Kommen und die Geburt des Herrn. So beginnt mit Pauken und Trompeten das sechsteilige Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach, an den Festtagen vom 1. Weihnachtstag bis zum Dreikönigenfest 1734/1735 in Leipzig uraufgeführt.

Es ist bis heute das volkstümlichste aller geistlichen Vokalwerke Bachs nach seiner Wiederentdeckung 1857. Unter den aktuellen Aufnahmen ragen die von Hermann Max mit der "Rheinischen Kantorei Dormagen" (2009) und von Georg Christoph Biller mit dem Thomanerchor Leipzig (2010) heraus.

Die Liedfülle rund um Weihnachten animiert auch heute noch Komponisten. Vor zwei Wochen wurde in der Neusser Konrad-Kirche "Die Weihnachtsgeschichte nach alten Liedern und in neuen Chorsätzen" für Sprecher, Chor, Gemeinde und Streichquartett uraufgeführt. Dominikus Burghardt, seit 2006 Leiter des Neusser Madrigalchores, wollte mit dieser Komposition an die vom Madrigalchor Jahrzehnte gepflegte Tradition des "Offenen Singens" anknüpfen und zugleich alte Hörgewohnheiten neu beleben.

Bekannteste Weihnachtslieder hat er kräftig entstaubt. Das abschließende "Stille Nacht, heilige Nacht" steht bei Dur-Moll-Diatonik und vorsichtigen Wendungen in freier Tonart in wunderbarer Konfrontation zu archaischen und romantisierenden Klängen. Das Publikum dankte mit "Standing Ovations" für diese frische Adaption vertrauter Musik.

Aber auch rein instrumental geht Weihnachtsfreude unter die Haut. Das "Largo", der erste Satz des "Concerto grosso Nr. 12" von Francesco Manfredini, wurde schon 1718 als "Weihnachtssinfonie" bezeichnet. Eine faszinierende Alternative zu diesem unendlich viel gespielten Werk stellte Lavard Skou-Larsen jetzt im Weihnachtskonzert der Deutschen Kammerakademie Neuss (dkn) vor: Die "Symphonie de Noël" von Michel Richard de Lalande ist Weihnachtsfreude pur.

Die wird auch in den privaten Wohnzimmern unter dem Tannenbaum ausgelebt, wenn die Geschenkverpackungen noch Rätsel aufgeben und seit Generationen schon Kinder stolz zeigen, dass sie auf der Blockflöte begleiteten können, was die anderen singen (oder brummen). "Stille Nacht", "Oh du fröhliche", "O Tannenbaum" und "Ihr Kinderlein kommet" sind da nach wie vor die beliebtesten (weil auswendig zu singenden?) Stücke. Auch wenn diese selbst gemachte Hausmusik mehr und mehr von Tönen aus dem CD-Player oder Radio abgelöst wird — Musik gehört zur Weihnachtszeit und zum Fest selbst.

Das weiß auch die Pop-Industrie nur zu genau, und so gibt es kaum einen Star oder ein Sternchen, eine Band, der oder die nicht ein Weihnachtslied aufgenommen hat. Beim amerikanischen Popsänger George Michael klingelt verlässlich zur Weihnachtszeit jedes Jahr die Kasse, seit er 1984 den Song "Last Christmas" herausbrachte. (Das wäre womöglich nicht passiert, wenn er, wie einige Szene-Quellen zu wissen glauben, das Lied unter dem ursprünglichen Titel "Last Eastern" — Letzte Ostern — herausgebracht hätte ...)

Die von Bob Geldorf 1984 ins Leben gerufene Legende Band Aid wird auch deswegen jedes Jahr wieder so lebendig, weil ihr Song "Do they know it's Christmas" durchs Radio schallt. Ebenfalls seit Jahren aus den Weihnachtssong-Charts nicht wegzudenken: "Merry Xmas everbody" (Slade, 1973) "Driving home for Christmas" (Chris Rea, 1988) oder "Thank God it's Christmas" (Queen, 1984).

Und dann sind da natürlich noch die Klassiker aus der großen Zeit der singenden Hollywoodstars: "White Christmas" (Bing Crosby) oder "Winter Wonderworld" (Dean Martin) und natürlich "Rudolph the red-nosed Reindeer" (Gene Autry) aus den 1940er Jahren. Deren Cover-Versionen sind kaum mehr zu zählen.

(NGZ/rl)