Kanaldeckel wurde einem Original nachgebildet: Der Kanalarbeiter

Kanaldeckel wurde einem Original nachgebildet: Der Kanalarbeiter

Mehr Bronze in die Stadt. Mit ihrer neuen Skulptur eines Werktätigen ehren die Heimatfreunde all jene, die die Stadt in Bewegung und funktionstüchtig halten. Am Mittwoch wurde die Plastik für den öffentlichen Dienst enthüllt. Harald Heister (l.) und Harald Hausmann von der Stadtentwässerung repräsentierten am Mittwoch die Zunft, als an der Hamtorstraße die Skulptur "Der Kanalarbeiter" enthüllt wurde. Wie der mit Vornamen heißen wird, dürfte angesichts dieses Begrüßungskomitees kaum eine Frage sein: Harald, vermutlich. NGZ-Foto: A. Woitschützke

Mehr Bronze in die Stadt. Mit ihrer neuen Skulptur eines Werktätigen ehren die Heimatfreunde all jene, die die Stadt in Bewegung und funktionstüchtig halten. Am Mittwoch wurde die Plastik für den öffentlichen Dienst enthüllt. Harald Heister (l.) und Harald Hausmann von der Stadtentwässerung repräsentierten am Mittwoch die Zunft, als an der Hamtorstraße die Skulptur "Der Kanalarbeiter" enthüllt wurde. Wie der mit Vornamen heißen wird, dürfte angesichts dieses Begrüßungskomitees kaum eine Frage sein: Harald, vermutlich. NGZ-Foto: A. Woitschützke

220 Kilogramm bringt er auf die Waage, doch fett wirkt der Kanalarbeiter trotzdem nicht. Etwas füllig um die Hüften vielleicht, stemmt er sich an der Omnibushaltestelle Hamtorstraße Ecke Neustraße seit Mittwoch aus dem Einstieg zum Schacht. Letzte Gewissheit zum Grund für sein hohes Gewicht gibt der Klopftest: Bronze!

Mit dem Bildnis des Kanalarbeiters hat die Vereinigung der Heimatfreunde einen weiteren Beitrag zur Gestaltung und Möblierung der Innenstadt geliefert. Er soll, so fasste Heimatfreunde-Vorsitzender Ernst Freistühler den Gedanken von Ideengeber Dr. Heinz Günther Hüsch zusammen, all jene Männer und Frauen ehren "die dafür sorgen, dass unsere Stadt tagaus, tagein rund um die Uhr versorgt und entsorgt wird."

Vielleicht war deshalb das Interesse an dieser Plastik zum öffentlichen Dienst so groß, dass nicht nur aus der Stadtverwaltung ein starkes Dutzend zum Teil hochrangiger Mitarbeiter am Mittwoch zur Enthüllung herbeigeeilt war, zu denen sich noch etliche Stadtverordnete gesellten. Die Schweine auf dem Neumarkt, die vorletzte im Auftrag der Heimatfreunde aufgestellte Plastik, hatten weniger Beachtung gefunden.

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"Ich wollte einmal bei der Einweihung eines Arbeiterdenkmals in Neuss dabei sein", erklärte Roland Sperling (PDS) sein Kommen. Arbeiterdenkmal? Denkmal aus der Arbeitswelt wäre treffender, wie die Aufzählung klar machte, an deren Ende Hüsch den Kanalarbeiter anfügte: den Erftkadetten vor dem ehemaligen Hafencasino, das Mühlenrad im Stadtgarten und den "leider etwas unbeachteten" Alu-Block in Norf-Derikum als Symbol für die Aluminium-Verarbeitung in Neuss.

Ein Teil dieser Arbeiten entstand in der Werkstatt von Michael Franke in Erkelenz. Der gab dem Kanalarbeiter die reifen Gesichtszüge eines gestandenen Mannes, um, wie er betonte, "so auch eine Lanze für die über 50-Jährigen in der Arbeitswelt zu brechen". Der Kanaldeckel, einem Original nachgebildet, wurde auf einem kleinen, gepflasterten Hügel etwas höher gelegt, "damit niemand darüber fällt", wie Franke erklärte.

Und vor dem "Gully" hat der Künstler eine einzelne Absperrbake errichtet. "Damit es zünftiger wirkt". Bürgermeister Herbert Napp zeigte sich beim Anblick des Kanalarbeiters erfreut, dass diese meist im Verborgenen Arbeitenden nun an einem so belebten Ort eine Würdigung erfahren.

Und dass mit dem Kanalarbeiter eben kein Politiker, General oder großer Gelehrter gefeiert wird. Wie zum Beispiel Theodor Schwann vis-a-vis vor der alten Post. Beide verbindet das Material und die Patina, die auch der Mann aus der "Unterwelt" anlegen wird. Was sie trennt ist, dass der Erfinder der Zellenlehre Schwann auf seinem Granitsockel für Kinder unerreichbar ist. (-nau)

(NGZ)
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