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Neuss: Der Kampf gegen Graffiti

Neuss : Der Kampf gegen Graffiti

Die Zahl der Graffiti-Schmierereien ist in Neuss seit Jahren rückläufig. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Bürger solche Taten nicht mehr anzeigen. Der Verein Haus und Grund sagt sehr deutlich: Der Aufwand lohnt kaum.

Der März war für Michael Tischler der beste Monat, seit er vor fünf Jahren seine Firma "Graffitoex" an der Erftstraße gründete. "Gesprüht wird immer", sagt der Unternehmer. "Wachstum ist gegeben, das hört nicht auf." Spricht's und wendet sich einem Graffiti an der Weckhovener St.-Paulus-Kirche zu. Einer Rarität, wenn man der Polizeistatistik glauben darf. Denn die Zahl der Sachbeschädigungen durch Graffiti sinkt seit Jahren. Passt das zusammen?

2008 wurden Graffiti in der Polizeistatistik erstmals gesondert erfasst. 283 Anzeigen wurden damals aktenkundig, 241 noch im Jahr darauf. Für 2010 nennt Polizeisprecher Hans-Willi Arnold noch exakt 100 angezeigte Sachbeschädigungen dieser Art. Resignation bei den Hausbesitzern könne die Polizei nicht erkennen, sagt Arnold, "das Anzeigeverhalten ist, wie wir es uns wünschen". Doch die Statistik erfasst die Dunkelziffer nicht.

Die Stimmung bei den Opfern dieser Sprayer bekommt Tischler unmittelbarer zu spüren. Der hört zwei Sätze immer und immer wieder: "Die kriegen die ja doch nicht." Und: "Falls doch, ist bei denen kein Geld zu holen." Die Opfer hätten nur den Aufwand, zeigt er Verständnis, und bekämen sechs Wochen später Post vom Staatsanwalt: "Verfahren eingestellt."

Um diesen "Mechanismus" wissen auch die Rechtsberater bei "Haus & Grund", der Interessenvertretung von mehr als 4000 Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümern. Wer als Opfer zu einem Beratungsgespräch kommt, wird auch über seine rechtlichen Möglichkeiten und eine Anzeige informiert. Tenor sei aber immer, so der Vorsitzende Heiner Kaumanns: "Viel würde ich nicht investieren." An einen Erfolg glauben die Berater kaum – "und sagen das auch deutlich", erklärt Kaumanns.

In der Tat ist die Aufklärung solcher Fälle schwierig. Geständnisse oder gar Hinweise auf andere Täter seien "sehr, sehr selten", sagt Arnold. Man müsse die Sprayer schon auf frischer Tat stellen. Von den Graffitifällen des Vorjahres seien nur zehn Prozent aufgeklärt, sagt er. "Doch es gibt Ermittlungsansätze, dass aus 2010 noch mehr Fälle aufgeklärt werden können." Denn die Täter seien auf Öffentlichkeit erpicht – und verraten sich mitunter durch ihre Handschrift

Ein Tipp des Experten Tischler bleibt: Jeden Fall anzeigen. Das sieht auch die Polizei so und sagt – auch mahnend in Richtung der Täter – warum: "Wenn ein Sprayer überführt wird, kann ihn das ein Leben lang begleiten." Denn ein gerichtlicher Titel auf Entschädigung für den Sachschaden kann auch 30 Jahre später noch vollstreckt werden. Das wiegt schwerer als Arbeitsauflagen und Freizeitarrest, mit denen die Gerichte solche Fälle nach Auskunft von Amtsrichter Kai Krüger meist ahnden. Tipp zwei: Jedes Graffiti konsequent beseitigen. Die Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN) sorgt schon dafür – innerhalb von 48 Stunden

(NGZ)