Der Hohe Reitersieger der Neusser Schützen

Der neue Hohe Reitersieger im Porträt: Der Herr der gestochenen Ringe

Nach einem spannenden Wettkampf darf sich Bernd Claßen-von Ameln Hoher Reitersieger nennen. Das Reiten lernte er als Kind.

Eigentlich hatte er den Sieg gedanklich so gut wie abgehakt. „Nachdem ich einen Ring gestochen hatte, ging lange Zeit gar nichts“, erinnert sich Bernd Claßen-von Ameln. In Boxer-Sprache würde man von der „zweiten Luft“ sprechen, die der 44-Jährige im Verlauf des Ringstechens am Dienstagabend entwickelte. Denn plötzlich stach er Ring Nummer zwei und drei direkt hintereinander – und sicherte sich so doch noch den Sieg. „Das ging Schlag auf Schlag“, sagt der neue Hohe Reitersieger.

Lernten sich in Heinsberg kennen: Der Hohe Reitersieger Bernd Claßen-von Ameln und seine Astrid. Das Ehepaar hat zwei gemeinsame Töchter. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)

Auf den erfolgreichen Wettbewerb sollte eine standesgemäße Party im Zeughaus folgen. „Wir haben die Nacht zum Tag gemacht. Bis zum Schluss. Komplett oder gar nicht“, sagt der Rommerskirchener, der seit 2016 Mitglied im Neusser Reiterkorps ist. Natürlich genehmigte er sich auch das ein oder andere Kaltgetränk mit dem neuen Schützenkönig Bruno Weyand. In seiner neuen Rolle geht der Hohe Reitersieger auf. „Natürlich ist es anstrengend, aber es macht alles sehr viel Spaß“, sagt Claßen-von Ameln, der sich im Hauptstechen gegen sechs weitere Mitbewerber durchsetzte.

Bemerkenswerter Zufall: Seine jüngste Tochter Anna (6), die am Donnerstag eingeschult wurde, sammelte während des Wettbewerbs die Ringe auf, die nicht gestochen wurden. Somit erlebte sie den Sieg ihres Papas aus einer denkbar günstigen Perspektive. Doch auch seine Frau Astrid und die älteste Tochter Sophia (9) jubelten ihm an der Rennbahn zu.

Seine Ehefrau lernte der Maschinenbaumeister in Heinsberg kennen. Damals war er noch auf der Meisterschule. Vor circa 15 Jahren zogen sie in Rommerskirchen zusammen. Mittlerweile lebt die Familie im Stadtteil Anstel.

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Auch beruflich hat sich der 44-Jährige im Laufe der Jahre weiterentwickelt, war zunächst stellvertretender Bauleiter bei Alunorf in Neuss und baute sich nebenbei seine eigene Metallbau-Firma in Grevenbroich auf – die Bernd Claßen GmbH. „Das hat sich Stück für Stück entwickelt“, sagt der Hohe Reitersieger, der bereits im Kindesalter, zusammen mit seinen beiden Brüdern, das Reiten lernte. Im Springsport brachte er es sogar zur Klasse M.

Sein Vater hat einen landwirtschaftlichen Betrieb in Hückelhoven (Kreis Heinsberg), wo Bernd Claßen aufwuchs, und züchtet neben Rindern auch Pferde. „Es ist bis heute seine große Leidenschaft“, sagt der Rommerskirchener. Auch das Pferd, das Bernd Claßen aktuell privat reitet, die fünf Jahre alte Stute Carina, stammt aus eigener Zucht. Auf das richtige Pferd setzen gehört für Claßen einfach zum Leben dazu.

Doch beim Ringstechen am Dienstag hatte er darauf gar keinen Einfluss, schließlich erhalten die Teilnehmer fremde Pferde. „Man muss das richtige erwischen“, sagt der leidenschaftliche Reiter. Nicht jedes Pferd könne mit der Gesamtsituation beim Wettbewerb – an Hunderten Zuschauern vorbei galoppierend – umgehen. „Das kann man im Vorfeld nicht üben“, sagt er.

Was beim Ringstechen besonders wichtig ist? „Man muss passend unter den Ring kommen und zur richtigen Zeit die richtige Handbewegung machen, damit man den Ring erwischt – man muss einfach das Beste daraus machen“, sagt Claßen-von Ameln.

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