Neuss : Der Grenz-Zaun

Der Neusser Steinbildhauer Jürgen Zaun ist mit zwei Arbeiten im Skulpturenpark Rees – Sint Anthonis vertreten.

Der Neusser Steinbildhauer Jürgen Zaun ist mit zwei Arbeiten im Skulpturenpark Rees — Sint Anthonis vertreten.

Der Nachfolger liegt schon auf dem Boden. Mit einem Stein weniger und auch nicht ganz so groß, aber die Urform der Skulptur "Objekt 717" arbeitet in Jürgen Zaun weiter und wird mit Sicherheit noch einige Varianten erleben. Allerdings kann sich der Steinbildhauer dafür mehr Zeit lassen als bei Nr. 717, denn die monumentale Arbeit musste innerhalb von drei Monaten fertig werden.

Längst ist sie Teil des grenzübergreifenden Skulpturenparks im niederrheinischen Rees und im niederländischen Sint Anthonis, wurde bei den holländischen Nachbarn aufgestellt und bleibt dort bis 2011 stehen. Schon zum vierten Mal hatten die beiden Städte Künstler beider Länder aufgerufen, sich mit Arbeiten zu bewerben. Jürgen Zaun hat gleich zwei Vorschläge eingereicht, und beide wurden angenommen. So steht nicht nur in den Niederlanden ein echter Zaun, sondern mit dem "König" auch einer in Rees. Die Skulptur aus Stein und Metall war indes schon beim Korschenbroicher Kunstfrühling zu sehen und hat den Künstler nicht annähernd so viel logistische Arbeit abverlangt wie das "Objekt 717".

Mit einer Höhe von 3,20 Meter und Breite von 2,80 Meter ragt die Arbeit regelrecht aus der Landschaft heraus. Zwischen zwei senkrechten Balken und unterhalb eines an den Seiten überragenden Querbalkens (wie ein zusammengewachsenes "T") scheinen drei große Steine zu schweben. Findlinge sind es, uneben, und jeder hat eine andere Form. Eine schlichte und prägnante Arbeit zugleich, die nichts davon ahnen lässt, welche Mühen dahinter stecken. Am liebsten hätte Jürgen Zaun sie komplett aus Stein gemacht, ist dann aber wegen der engen Zeitspanne zwischen Einladung und Eröffnung lieber auf Holz für die Balken ausgewichen. Für ihn war die Arbeit mit dem Material zwar Neuland, aber auch jetzt noch ist er mit der Ausführung sehr zufrieden. Dafür werden die 717-Nachfolger reine Steinarbeiten sein. Wenn auch ein bisschen kleiner.

Denn der technische Aufwand bei der Arbeit an der Ausstellungsskulptur hat ihn fast an seine Grenzen gebracht. An die seines Ateliers sowieso. Denn zu den sichtbaren drei Metern Höhe kommen noch einmal zwei Meter dazu, die im Erdreich verschwunden sind und der Arbeit die nötige Standfestigkeit verschaffen.

Netzwerk geschaffen

Schon für die liegende Skulptur reichte der Platz in seinem Arbeitsraum nicht aus. Künstlerkollegin Anneken Thue von nebenan stellt Jürgen Zaun ihr Atelier zur Verfügung, und für die Montage der Findlinge ("so, wie sich sie haben wollte") musste der Künstler in eine große Lagerhalle in Düsseldorf-Reisholz ausweichen, wo Kran und Gabelstapler unerlässliche Helfer waren. Finanziell war das Ganze nicht gerade ein gutes Geschäft. "Es gab eine kleine Aufwandsentschädigung", erzählt er, "aber mir ist auch wichtiger, bei solchen Projekten überhaupt dabei zu sein".

Die Skulptur habe er nicht nur entworfen, sondern "auch selbst gemacht", sagt Jürgen Zaun mit Befriedigung. Das heißt, die Holzbalken bearbeitet, die Löcher in die Findlinge gebohrt, die unbedingt notwendigen starken, aber ungewöhnlichen Dübel besorgt — "eine echte Herausforderung", sagt er lachend. Bestanden hat er sich auch mit Hilfe von vielen Freunden: "Ich habe ein gutes Netzwerk aufgebaut und bin froh, dass ich in der Stadt arbeite, in der ich auch aufgewachsen bin."

(RP)