Neuss: Der Clown aus der Nordstadt

Neuss: Der Clown aus der Nordstadt

Seit genau 30 Jahren ist Christoph Muench als "Clown Tiftof" unterwegs, um die Menschen in Neuss und Umgebung mit Zauberei, Jonglage und Feuershows zu begeistern. Doch das Lachen kann auch ihm einmal schwerer fallen.

Christoph Muench muss wie jeder andere Mensch seine Rechnungen bezahlen. Um Geld zu verdienen, geht er allerdings nicht ins Büro, sondern schlüpft in ein Clown-Kostüm. Dann betritt er eine Bühne und wird zu Tiftof, dem Clown aus der Nordstadt.

Die Karriere von Christoph Muench begann mit einem Sport- und Freizeitpädagogik-Studium. Schnell wurde ihm allerdings klar, dass es ihm viel mehr darum ging, vor Leuten zu stehen und mit ihnen gemeinsam etwas zu schaffen. Er begann, sich selbst Tricks anzueignen, bis daraus eine ganze Show wurde. 1988 startete er dann mit seinem Straßenprogramm in der Düsseldorfer Altstadt. Zwei bis drei Jahre später schon konnte er von seinen Auftritten seine ganze Familie ernähren. Dafür muss er allerdings auch an fast allen Wochenenden in die Rolle des Clowns schlüpfen.

Vor einigen Jahren war dies noch einfacher. In der heutigen Zeit, in der jeder sein Smartphone und somit auch seine Unterhaltung dabei hat, ist es schwierig, die Menschen auf der Straße abzuholen und zu begeistern. Doch Clown Tiftof schafft es, die Faszination in die Gesichter der Menschen zu zaubern. "Je einfacher und alltäglicher die Tricks sind, desto besser kommen sie an", sagt er. Mit seinem Kinder-, Erwachsenen- und vor allem Familienprogramm reist er durch ganz Deutschland, Österreich und die Schweiz. Dort spielt er mit verschiedenen Elementen, von Feuershow über Zauberei bis hin zu Akrobatik. Es komme aber immer auch darauf an, wie das Publikum reagiere, so Muench. In jeder Region müsse man sich auf andere Menschen einstellen, die alle unterschiedliche Vorstellungen von Unterhaltung und Humor haben. Besonders wichtig sei deshalb die Kommunikation mit dem Publikum. Vor allem bei Kindern sei diese ganz einfach: Wenn ihnen etwas nicht gefällt, stehen sie einfach auf und gehen. Diese Ehrlichkeit macht es Clown Tiftof leichter, auf die Ansprüche seiner Zuschauer einzugehen.

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Das Besondere an seinem Beruf ist für Christoph Muench, dass er den Menschen dabei hilft, den Alltag zu vergessen. Deshalb sind ihm seine regelmäßigen Besuche in der Kinderstation des Lukaskrankenhauses sehr wichtig. Dort sind die Kinder in einer schwierigen Situation und das Lachen bleibt häufig auf der Strecke. Wenn ihm dennoch funkelnde Kinderaugen entgegenschauen, weiß er, dass er das Richtige tut.

Natürlich gibt es auch mal Tage, an denen Christoph Muench selbst gar nicht zum Lachen ist. Trotzdem muss er dann mit einem fröhlichen Gesicht seine Show machen, albern sein und seine Zuschauer unterhalten. "In dem Moment nehme ich eine Rolle ein, da bin ich dann jemand anderes", sagt er. Sobald er die Bühne betritt, ist er Clown Tiftof und vergisst, was ihn als Christoph Muench beschäftigt. Gewisse Abläufe vor der Show helfen ihm dabei, in seine Rolle zu finden. "Das, was zählt, ist, dass man Freude verschenkt. Daraus ziehe ich meine Kraft." Deshalb trägt er auch an schlechten Tagen ein Lächeln. Und wenn er dann das Staunen und die Faszination sieht und nicht nur Klein, sondern auch Groß begeistern kann, ist es für ihn immer wieder schwer zu begreifen, dass er auf diese besondere Weise sein Geld verdienen darf.

(NGZ)