Der belgische Organist Ignace Michiels spielte zum ersten Mal in Neuss

St.Quirin: Orgelsommer mit belgischer Vielfalt

Der belgische Organist Ignace Michiels präsentierte dem Publikum ein ausgefallenes Repertoire.

In der Reihe der „Kathedral-Kollegen“ – so das Motto des diesjährigen Orgelsommers in der Quirinusbasilika – war der belgische Organist Ignace Michiels (54) erstmals Gast in Neuss. Er ist Organist an der Sint-Salvatorskathedraal in Brügge, der Bischofskirche des Bistums Brügge. Dort verantwortet er eine seit 1952 bestehende traditionsreiche Konzertreihe, unterrichtet zudem am Königlichen Konservatorium in Gent.

Schon nach dem Einspielen auf der Münsterorgel schwärmte Ignace Michiels von dem „sehr farbenreichen“ Neusser Instrument. „Mein Eindruck: fantastisch!“, ließ es die Zuschauer wissen. Diese Wertschätzung mag auch daran liegen, dass ihm wegen der umfassenden Restaurierung der St. Salvator-Kathedrale mit dem auffallenden Kranz von fünf Kapellen hinter dem Hauptaltar – die übrigens aus dem 13. Jahrhundert stammt –, sein eigenes Instrument dort derzeit nicht zur Verfügung steht.

Nach Neuss hatte der belgische Organist ein sehr abwechslungsreiches Programm mitgebracht, begann mit „Präludium und Fuge in E-Dur“ des norddeutschen Barockmeisters Vincent Lübeck, spielte das „Konzert d-Moll“ (BWV 596) von Johann Sebastian Bach, eine Übertragung eines Vivaldi-Streicherkonzertes, registrierte fast „organo pleno“ den ersten Satz der „Sonate Nr. 3“ von Felix Mendelssohn Bartholdy mit dem Choral „Aus tiefer Not schrei ich zu dir“ im Pedal und fügte das „Andante“ quasi als Anhängsel mit weichen Stimmen an.

Nach dieser schweren Kost konzentrierte sich der Organist auf ein eher ausgefallenes Repertoire. Dazu gehörte etwa „Légende und Finale“ des 1933 in Liverpool verstorbenen Komponisten William Faulkes, der beschwingte „Song of Sunshine“ des seit seiner Geburt (1865) blinden Alfred Hollins, wunderbar als Hochzeitsmusik geeignet, oder das zu einer lauen Sommernacht passende „Scherzo D-Dur“ von Alexandre-Samuel Rousseau.

Das meditative „Fiat Lux“ von Théodore Dubois spielt im Leben von Ignace Michiels eine besondere Rolle. 1999 verabredete er mit dem Wiesbadener Kantor Gabriel Dessauer ein gemeinsames Projekt zum „Ende eines Jahrhunderts sinnloser Gewalt“. Diese Zusammenarbeit, in der Michiels auch „Fiat Lux“ einspielte,  wird seit 2001 in jährlichen Konzerten fortgesetzt. In Neuss beendete er sein Konzert mit der „Toccata f-Moll“ des französischen Komponisten Jules Grison, einem Virtuosenstück par excellence, das er wie sein gesamtes Programm farbenreich und brillant spielte.

Am kommenden Mittwoch spielt der Mainzer Domorganist Daniel Beckmann an der großen Orgel der Neusser Quirinusbasilika. Beginn ist um 20 Uhr.