Neuss : Der Bauernmarkt

Auf dem Wochenmarkt in Reuschenberg verkaufen Hersteller aus der Region ihre Produkte. Obst, Gemüse und Eier sind ausschließliche Handelsware, Fleisch gibt es nicht. Es gibt viele biozertifizierte Produkte. Die Händler wünschen sich wieder einen Blumenstand.

Seit 22 Jahren verkaufen die Landwirte der Umgebung auf dem Reuschenberger Wochenmarkt die Früchte ihrer Felder und Gärten. Statt Fleisch, Wurst und Geflügel gibt es dort Spargel, Kartoffeln, Lauch, Kohl, Karotten, Äpfel, Birnen oder Kürbisse. Und was auf den eigenen Feldern nicht wächst, wird zugekauft. Südfrüchte zum Beispiel. "Nein", meint Sophia Frenken und muss lachen, "Orangen wachsen noch nicht bei uns im Garten. Die kommen aus Spanien."

Sophia Frenken hat dafür aber eigene Maroni im Angebot. Ihre Edelkastanien sind zwar ein bisschen kleiner als die sonst handelsüblichen, aber sie schmecken genauso gut. Und mit zwei Euro pro Kilo sind sie obendrein sehr günstig. Zwei Stände weiter liegt das größere Pendant. Stolze 7,50 Euro kostet ein Kilo davon, dafür sind diese Maroni aber auch biozertifiziert. So wie alle anderen Obst- und Gemüsesorten am Lammertzhof-Bio-Stand. Dort herrscht reger Andrang, was den zunehmenden Qualitätsanspruch der Kunden dokumentiert.

Die Reuschenberger Stammkundschaft legte schon immer sehr viel Wert auf regionale Ware, meint ein Kunde, der den "Vitaminexpress", wie er die aufgereihten Stände nennt, regelmäßig besucht, um "die Vitamine und Nährstoffe für die Woche" einzukaufen. Der Reuschenberger Bauernmarkt ist ein Schlaraffenland für Vegetarier und Liebhaber biologisch angebauter Früchte.

Allesamt stehen die Händler auch bei Wind und Wetter hier draußen auf dem Kirmesplatz, "und im Winter schön mit Heizofen, damit wir nicht einfrieren", erzählt Anita Hohenrath, die in einer riesigen Erdbeere steht und Äpfel verkauft, "von Küppers". Granny Smith, Elstar, Gala, Boskop und andere Sorten, das Kilo für 1,60 Euro. Wer 2,5 Kilo nimmt, zahlt nur 3,50 Euro. "Der eine will lieber süß, der andere schön sauer", sagt Anita Hohenrath und verkauft einer Kundin, die es gern süß-sauer mag, ein Kilo Braeburn. Insgesamt sei der Reuschenberger ein gut besuchter Wochenmarkt, "mit gemischtem Publikum". Aber natürlich dürfte es auch gern mehr Kundschaft sein. "Und ein paar mehr Stände", meint Anita Hohenrath zum Abschied, "vor allem wieder Blumen."

Blumen sind das ganz große Thema auf dem Reuschenberger Markt. Die fehlen jedem. So auch Peter Schmitz, gegerbter Bauer aus Neukirchen, ein Mann der ersten Stunde. Seit es den Markt gibt, stehe er jeden Samstag hier. "Seither hat sich viel verändert", meint Schmitz fast ein wenig traurig, "früher hatten wir noch viel Laufkundschaft", doch die komme immer weniger. Grund dafür seien die Blumen. "Ja, die Blumen", seufzt Schmitz. Früher, so erzählt er, gab es zwei Blumenstände, die den Markt in allen Farben schmückten und die Kunden schon von Weitem anlockten. "Da hielten die Autos, die nach Bergheim fuhren, wegen der Blumen an", meint Schmitz mit leuchtenden Augen. "Und wenn die dann ihre Blumen gekauft hatten, gingen die noch über den Markt und kauften Gemüse, Obst und Eier." Aber leider habe sich irgendwann der letzte verbliebene Blumenverkäufer umgebracht, "private Geschichte ..." Seitdem sei das Geschäft immer schwieriger geworden.

Schmitz steht auf und deutet hinüber zum angrenzenden Parkplatz. "Und jetzt wollen die auch noch den Rewe bauen, direkt vor unsere Nase." Schmitz versteht die Welt nicht mehr. Er tritt ein Stück weit auf den großen runden Platz, dorthin, von wo aus früher die ausgestellten Blumen die Autofahrer lockten, und zeigt auf einige Häuser. "Obwohl fast alle Anwohner dagegen sind, wollen die hier noch einen Supermarkt hinstellen. Als ob es nicht schon genug von denen gäbe!" Bauer Schmitz zählt einige Standorte auf; beim vierten hakt er und entdeckt einen Kunden, der auf ihn wartet. Wieselflink spurtet er zum Stand zurück und packt eine Tüte voll mit Rosenkohl. "Rosenkohl läuft super", meint Peter Schmitz, nimmt das Geld in Empfang und trauert noch ein letztes Mal den Blumen nach, bevor weitere Kundschaft nach Walnüssen, Lauch, Karotten und Co. verlangt.

(NGZ)