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Neuss: "Der Bahnhof ist nicht sicher"

Neuss : "Der Bahnhof ist nicht sicher"

Dunkel und gefährlich – der Hauptbahnhof ist alles andere als eine Visitenkarte für Neuss. Die geplanten Umgestaltungen wurden verschoben. Wir haben NGZ-Leser und Bahnfahrer gefragt, was sie von der Station hálten.

Dunkel und gefährlich — der Hauptbahnhof ist alles andere als eine Visitenkarte für Neuss. Die geplanten Umgestaltungen wurden verschoben. Wir haben NGZ-Leser und Bahnfahrer gefragt, was sie von der Station hálten.

Josef Grau bemängelt, dass der Fahrkartenschalter in der Bahnhofshalle geschlossen wurde: "Hier ist niemand, den man mal um Rat fragen kann." Foto: NGZ

Wenn Denise Fleischer mit ihrer vier Monate alten Tochter Emilia nach Einbruch der Dunkelheit nach Krefeld muss, zieht sich auch Lebensgefährte René Gill noch mal die Jacke über. "Mit der Bahn lasse ich die beiden abends nicht mehr alleine fahren", sagt er. "Der Neusser Bahnhof ist zu gefährlich. Wir fühlen uns dort nicht sicher, das ist Fakt."

Ilse Kremer fährt mit der Bahn oft nach Düsseldorf: "Besonders schlimm finde ich, dass es an den Gleisen 1 bis 4 immer noch keine Aufzüge gibt." Foto: NGZ

Zu dunkel, zu schmuddelig, ein gefühlter Kriminalitätsschwerpunkt — das Problem ist bekannt. Seit 2004 wird in Neuss über eine mehrstufige Umgestaltung des Hauptbahnhofs gesprochen. Die Pläne hat die Deutsche Bahn vorerst auf 2011 verschoben. Den Neussern geht das nicht schnell genug. Sie fühlen sich in ihrem Bahnhof seit langem unwohl.

Sabine Rix fährt jeden Tag mit der Bahn nach Grevenbroich: "Zum Glück bin ich tagsüber unterwegs. Hier sieht man schon oft komische Gestalten." Foto: NGZ

Margot Kandulski zum Beispiel erzählte der NGZ, dass sie ihren Mann abends ganz bewusst nur noch mit dem Auto vom Bahnhof abholt. "Ich fahre so spät wie möglich los, damit ich nicht lange am Vorplatz stehen muss und verriegele alle Türen. Die jungen Leute, die dort oft rumlungern, machen mir Angst."

Hans-Jürgen Schulz fährt jeden Morgen mit dem Zug von Neuss nach Recklinghausen. "Früh morgens um fünf", sagt er, "ist da kein Mensch. Die Gleise und die Bahnhofshalle sind düster und kaum beaufsichtigt. Da hat man schon ein mulmiges Gefühl." Hans Helmut Jungmann sieht das ebenso. Er vermisst die Wache der Bahnpolizei, die vor einigen Jahren aufgelöst wurde. "Wenn Beamte ständig vor Ort wären", sagt er, "gäbe das vielen Bahnkunden ganz sicher ein besseres Gefühl."

Eine Vermutung, die auch Ilse Schleiden-Schmid aus Grevenbroich teilt. Sie schrieb der NGZ: "Seit ich vor einiger Zeit miterlebt habe, wie ein Mitreisender im Bahnhof Neuss mitten am Tag von einem jungen Mann unvermittelt heftig ins Gesicht geschlagen wurde, fühle ich mich auf dem Neusser Bahnhof nicht mehr sicher. Denn die Zentrale, die ich kurz darauf anrief, teilte mir mit, dass die Videoüberwachung, auf die am Bahnhof hingewiesen wird, keine Speicherung der Aufnahmen beinhaltet. Es gab also keine Möglichkeit, den Täter zu identifizieren. Da am Bahnhof auch kurzfristig keine Bundespolizei erreichbar ist, ist man hilflos."

(RP)