Neuss: Dealerszene zurück im Marienviertel

Neuss: Dealerszene zurück im Marienviertel

Anwohner berichten von erneutem offenen Drogenverkauf und -konsum im Bahnhofsumfeld. Kinder einer Kita dürfen deshalb nicht mehr allein ins Freie. Ihre Eltern wurden bereits informiert. Nun soll ein zweiter runder Tisch stattfinden.

Die Befürchtungen der Anwohner des Marienviertels haben sich bewahrheitet: Mit den warmen Temperaturen sind auch die Drogendealer und -konsumenten zurückgekehrt. "Es sind dieselben Gesichter wie im vergangenen Jahr, aber auch einige neue sind dabei", sagt Andreas Alberts, der die Szene quasi vor der Haustür hat. Marcel Offermann, dessen "Puppenklinik" nur wenige Meter von der Marienkirche entfernt liegt, bestätigt: "Ich habe den Eindruck, dass es noch schlimmer geworden ist. Jetzt sind es gleich mehrere Gruppen."

Ein weiterer Anwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte, berichtet sogar von Spritzen vor seiner Haustür und Blut an den Wänden. "Es werden auch täglich Joints direkt vor unserer Haustür geraucht. Oft geht das Treiben bis spät in die Nacht."

Das Problem ist nicht neu, sondern quasi nur aus der Winterpause zurück: Im vergangenen Jahr hatten sich Alberts und weitere Anwohner und Geschäftsinhaber in einem offenen Brief an Bürgermeister Reiner Breuer gewandt und darin "unhaltbare Zustände" rund um die Marienkirche beschrieben. Dort habe sich eine offene Drogenszene etabliert. Es fand ein runder Tisch statt, bei dem das Vorgehen besprochen wurde. Durch verstärkte Kontrollen schienen Polizei und Ordnungsamt das Problem zunächst im Griff zu haben. Anwohner betonten jedoch, dass sie die Situation erst richtig bewerten können, wenn die Temperaturen wieder ansteigen.

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Wie es scheint, hat die Szene ihre Kreise sogar erweitert. Denn jetzt soll auch im unmittelbaren Umfeld der Kita Arche Noah an der Kurze Straße - direkt am Bahndamm - öffentlich gedealt und konsumiert werden. "Wir beobachten das mehrfach täglich. Zu fast allen Uhrzeiten, nachmittags verstärkt", sagt Michaela Küppenbender, Leiterin des Kindergartens. Da bereits Drogentütchen auf dem Kita-Gelände gefunden worden seien, dürften die Kinder nicht mehr allein ins Freie, sondern nur mit Betreuern. Eltern wurden bereits über das Problem informiert. "Zudem sind wir in Gesprächen mit der Polizei und Streetworkern", sagt Küppenbender, die auch selber tätig wird und die Dealer sowie Konsumenten - zum Großteil junge Erwachsene - des Kita-Umfeldes verweist.

Polizeisprecherin Diane Drawe bestätigt die Problematik im Umfeld der Kita. "Das ist uns bekannt und wir gehen den Dingen nach." Auch im Bereich des Marienkirchplatzes sei man wie bereits in den Monaten zuvor präsent und gehe Hinweisen von Anwohnern und Geschäftsinhabern nach. "Diese Kontrollen werden wir auch fortführen", sagt Drawe auf Nachfrage unserer Redaktion. Eine Häufung von Hinweisen sei in den vergangenen Wochen, in denen es etwas wärmer geworden ist, aber nicht festgestellt worden.

Jochen Baur und seine Kollegen sind als Streetworker unter anderem im Bahnhofsumfeld aktiv und kennen - zumindest die jugendliche - Klientel. "Man kann diese Personen schlecht einer Szene zuordnen", sagt er. Die Sozialarbeiter gingen jedoch offen auf die Jugendlichen zu, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. "Wir rennen keine offenen Türen ein, aber wir bieten unsere Hilfe an."

(NGZ)