1. NRW
  2. Städte
  3. Neuss

Neuss: "De Wolff" – Jugend forscht im Hamtorkrug

Neuss : "De Wolff" – Jugend forscht im Hamtorkrug

In der Musikkneipe gab es eine faustdicke Überraschung aus den Niederlanden. Das Poster, zur Ankündigung des Konzertes, versprach "Psychedelic Rock". Da schnalzt der Musikkenner genüsslich mit der Zunge, da verfällt der Liebhaber von opulentem Rock in verqualmte, süßlich duftende Schwärmereien längst vergangener Tage.

Waren doch die Endsechziger und beginnenden 70er Jahre die Blütezeit von Bands wie Cream, Doors oder Iron Butterfly.

Die sachkundige Fangemeinde rekrutierte sich daher, im ausverkauften Haus an der Büttger Straße, auch überwiegend aus Damen und Herren im gesetzteren Lebensabschnitt. Dass sich dazu drei Heranwachsende eingefunden hatten, sollte sich — spätestens bei Konzertbeginn — als die Überraschung des Abends herausstellen. Denn: Zusammengerechnet gerade einmal 58 Jahre bringen die Brüder Pablo und Luca van de Poel, musikalisch zuständig für E-Gitarre und Schlagzeug und Organist und Sänger Robin Piso auf die Waage.

Und wer dachte, dass jugendlicher Tatendrang für solch ein Projekt nicht ausreiche, der wurde lautstark und über mehr als zwei Stunden lang eines Besseren belehrt! Denn was die drei Niederländer da so kraftvoll auf die Bühne brachten, das war vom Feinsten. Nicht nur die Arrangements ihrer selbst geschriebenen Stücke, auch die Art und Weise ihres Vortrages ließen Namen wie Roger Waters, Robert Plant oder Jim Morrison, zumindest vorübergehend, vergessen.

Doch so einfach will sich das Trio — es geht auch ohne Bass — nicht in eine musikalische Ecke stellen lassen: "Wenn man sich für ein Instrument entscheidet, dann ist der weitere künstlerische Weg quasi vorgezeichnet", sagt Robin. "In meinem Fall war es die Hammond-Orgel und damit verbunden das innovative Werk von Jimmy Smith. Wir bevorzugen es, den traditionellen Rock zu spielen, doch immer mit unserer eigenen Handschrift".

Beispiel dafür ist die neue CD "Orchards/Lupine". Und das entdeckt man in jedem ihrer Stücke und diese monumentale Vehemenz ist es dann auch, die "De Wolff" so sehr auszeichnet. Gitarrist Pablo und Luca, schier unkaputtbar trommelnd, steuern ihren gehörigen Teil dazu bei. Als Resümee bleibt dem Ohren- und Augenzeugen nur eines: Sollte "De Wolff" nur annähernd ihrem alternativen Stil und eigenen Anspruch treu bleiben, darf man fragen, wo die Senkrechtstarter noch landen wollen.

(NGZ/rl)